ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2013Arztbrief: Der wichtigste Satz
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Vielen Dank für Ihren oben genannten Artikel. Der erste Satz ist der wichtigste: „Jede fachärztliche Behandlung . . . erfordert einen Bericht an den Hausarzt . . .“

Gegen diesen Grundsatz wird in der letzten Zeit immer häufiger verstoßen. In zunehmendem Maß erhalte ich als Hausärztin von den mitbehandelnden Kollegen keine Arztbriefe mehr, selbst dann, wenn Patienten mir glaubhaft versichern, dass sie in der Facharztpraxis sogar ausdrücklich um einen Arztbrief an mich als ihre Hausärztin gebeten hätten. Überweisungen werden oft erst gar nicht angenommen („das braucht man heute nicht mehr“). Bei der Behandlung von Privatpatienten ist man wohl ganz allgemein dazu übergegangen, entweder keine Briefe zu schreiben oder diese an den Patienten zu schicken – honi soit qui mal y pense . . .

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Den vorläufigen Höhepunkt dieser Entwicklung erlebte ich, als vor einiger Zeit eine Patientin mit Wundverband und Knie-Orthese ohne jegliche Unterlagen meine Praxis aufsuchte, da sie „eine Krankmeldung für sechs Wochen, ein Rezept für Krankengymnastik und Lymphdrainage, Schmerztabletten und Thrombosespritzen“ bräuchte. Selbst meine Frage, was denn eigentlich operiert worden sei, konnte sie nicht beantworten . . .

Dieses Verhalten vieler Fachärzte gefährdet vor allem unsere gemeinsamen Patienten. Ohne Information über Vor- und Mitbehandlungen kann ich den Patienten nicht versorgen. Solches Gebaren ist aber auch in höchstem Maße unkollegial, da es einerseits meine MFAs mit unnötigen Telefonaten beschäftigt, andererseits für mich zur Rechtsunsicherheit führt.

Hinzufügen möchte ich allerdings, dass die Fachärzte in meiner unmittelbaren Umgebung, mit denen ich täglich kooperiere, immer zeitnah aussagefähige Briefe schreiben. Die Missstände betreffen ausschließlich Kollegen, die ich nicht persönlich kenne – bei der hohen Arztdichte im Großraum München, wo ich praktiziere, werden dies aber immer mehr.

Dr. Felizitas Leitner, Lehrbeauftragte des Instituts für Allgemeinmedizin der Technischen Universität München, 82234 Weßling

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