ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2013Adipositaschirurgie: Ergänzungen

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Adipositaschirurgie: Ergänzungen

Dtsch Arztebl 2013; 110(46): A-2211 / B-1943 / C-1886

Brunkhorst, Reinhard

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Der Artikel von Jens Ried zu den Chancen und Risiken der bariatrischen Chirurgie bedarf der Ergänzung:

  • Es gibt eine Vielzahl bariatrischer Methoden vom Magenband über die Magenverkleinerung bis zum Magenbypass. Im Durchschnitt haben zwei bis vier Prozent der Patienten schwere Komplikationen, die Mortalität liegt im Mittel bei einem Prozent.
  • Die bariatrische Chirurgie ist ein elektiver Eingriff, daher sind die relativ hohen Komplikationsraten bedenklich.
  • Jede – auch eine mit konservativen Mitteln – bewirkte Gewichtsreduktion hat einen positiven Einfluss auf Diabetes mellitus II, arterielle Hypertonie und die Lebenserwartung.
  • Langzeiterfolgsraten der bariatrischen Chirurgie und aussagefähige Vergleiche zu einer multimodalen Therapie (Verhaltenstherapie, medizinische Überwachung, Ernährungs- und Bewegungstherapie) liegen nicht vor.
  • Bariatrische Chirurgie wird in Deutschland vielerorts auch zur Stabilisierung sinkender Erlöse und Fallzahlen eingesetzt.
  • Die allgemein als notwendig angesehene präoperative verhaltens-, bewegungs- und ernährungstherapeutische Vorbehandlung sowie eine umfassende Nachbetreuung der bariatrisch-chirurgischen Patienten findet nicht allerorts statt.
  • Es ist unhaltbar, dass die konservativen Therapieansätze zur Adipositas allesamt in einen Topf geworfen werden. Körnerdiäten und chinesische Kräuter sollten von einem seriösen multimodalen Therapieansatz unterschieden werden.

Vielerorts in Deutschland werden seit Jahrzehnten multimodale Therapien angeboten. Ausgewertet wurde in 2010 eine Studie mit 8 300 Teilnehmern: Bei den Frauen reduzierte sich das Gewicht während des einjährigen Programms im Durchschnitt um 20 kg, bei den Männern um 26 kg. Bei 60 Prozent der Teilnehmer war auch noch drei Jahre nach Programmbeginn ein Gewichtsverlust von mehr als fünf Prozent zu verzeichnen. Aufgrund der „bequemeren“ und von den Krankenkassen besser honorierten bariatrischen Chirurgie werden diese Programme jedoch zunehmend seltener genutzt.

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Prof. Dr. Reinhard Brunkhorst, Chefarzt der Medizinischen Klinik I, KRH Klinikum Region Hannover, Klinikum Oststadt-Heidehaus, 30659 Hannover

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