ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 4/2013Vernetzung: IT-Lösungen für Praxisnetze

SUPPLEMENT: PRAXiS

Vernetzung: IT-Lösungen für Praxisnetze

Dtsch Arztebl 2013; 110(46): [16]

Krüger-Brand, Heike E.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Ärztenetze sind auf einen funktionierenden Datenaustausch zwischen den Partnern angewiesen. Das erfordert die Unterstützung durch eine geeignete Netzsoftware. In der Praxis gibt es hierfür unterschiedliche Ansätze.

Foto: Fotolia/everythingpossible
Foto: Fotolia/everythingpossible

Regionale und lokale Verbünde von Arztpraxen zur Optimierung der beruflichen und wirtschaftlichen Arbeitsbedingungen haben Hochkonjunktur. Sie dienen hauptsächlich dazu, die Kommunikation der Ärzte untereinander zu verbessern, die Versorgung von Patienten im Netz zu optimieren und mit anderen Akteuren im Gesundheitswesen wie Krankenhäusern und Apotheken besser zu kooperieren.

Anzeige

Voraussetzung dafür, dass all dies auch gelingt, ist allerdings die informations- und kommunikationstechnische Vernetzung der Mitglieder. Zu den Vorteilen der IT-Vernetzung von Arztpraxen und anderer medizinischer Einrichtungen zählen beispielsweise die Vermeidung der Doppelerfassung von Daten, die Effizienzsteigerung bei Dokumentation und Abrechnung und die Möglichkeit, qualitätsgesicherte Behandlungs- und Strukturdaten zu generieren. Auch können Daten zur Versorgungssteuerung zeitnah bereitgestellt werden. Dennoch ist die Netzkommunikation aufgrund der Heterogenität der vorhandenen Primärsysteme in Arztpraxen und anderen medizinischen Einrichtungen immer noch kein einfaches Unterfangen.

Zusätzliche Software

Um Daten einrichtungsübergreifend auszutauschen, müssen vernetzungswillige Ärzte entweder – parallel zu ihrem Praxisverwaltungssystem – mit einer zusätzlichen Netzsoftware arbeiten (= doppelte Dateneingabe), oder sie steigen alle auf eine einheitliche Praxisverwaltungssoftware mit entsprechend einheitlicher Kommunikationsanbindung im Netz um. Ein Beispiel hierfür ist das Ärztliche Qualitätsnetz Solingen (Solimed; www.solimed-ug.de), das sich für die ausschließliche Nutzung der Arztinformationssoftware Isynet (Medatixx; http://medatixx.de) entschieden hat, in die die Netzlösung comdoxx direkt integriert wurde.

Daneben gibt es auch Lösungen, die sich über Schnittstellen an die vorhandenen Bestandssysteme anbinden lassen und die Datensynchronisation über eine gemeinsame Plattform im Netz bewerkstelligen. Eine lokale Installation in der Praxis ist dann oft nicht notwendig; das Software-Hosting erfolgt zentral, etwa über einen vom Praxisnetz selbst betriebenen Server oder alternativ durch ein beauftragtes Rechenzentrum (Kasten).

Im Zentrum der Vernetzungslösung „CGM Net“, die die CompuGroup Medical (CGM; www.cgm.com) und OptiMedis (www.optimedis.de) gemeinsam entwickelt haben, stehen eine zentrale elektronische Patientenakte und digitale Behandlungspfade. Letztere wurden im Projekt „Gesundes Kinzigtal“ von den knapp 60 vernetzten Praxen erfolgreich erprobt (www.gesundes-kinzigtal.de). In der Patientenakte können alle behandelnden Ärzte und Psychotherapeuten auf die Patientendaten, wie etwa Diagnosen, Befunde oder Medikamentenpläne, datenschutzkonform und sicher zugreifen.

Die Behandlungspfade unterstützen eine koordinierte und standardisierte Therapie innerhalb eines Arztnetzes. „Derzeit sind acht evaluierte Behandlungspfade aus dem Kinzigtal, unter anderem zu den Indikationen Herzinsuffizienz, Hypertonie und Osteoporose, Bestandteil der Software“, erläuterte Dr. Florian Fuhrmann, CGM Deutschland. Diese Behandlungspfade werden regelmäßig aktualisiert, weiterentwickelt und um weitere Indikationen ergänzt. Außerdem können sie an die jeweilige Versorgungsstruktur eines Netzes angepasst oder es können individuelle Behandlungspfade anderer Arztnetze übenommen werden.

Die IT-Lösung ermögliche die interdisziplinäre und ganzheitliche Sicht auf den Patienten, betonte Helmut Hildebrandt, Vorstand der OptiMedis AG und Geschäftsführer der Gesundes Kinzigtal GmbH. „Hiervon versprechen wir uns im Kinzigtal eine weitere Verbesserung der Versorgungsqualität.“

Voll integriert

In die Arztinformationssysteme der CGM ist die Vernetzungssoftware voll integriert, dadurch entfallen hohe Entwicklungs- und Pflegekosten. Ärzte können weiterhin in ihrem jeweiligen Praxissystem arbeiten und von dort aus auf sämtliche Funktionen der Netzsoftware zugreifen. So kann der Arzt beispielsweise aus der gewohnten Arbeitsumgebung heraus einen Patienten in ein Programm einschreiben oder auf die Patientenakte zugreifen. In einem automatisierten Datenabgleich werden die Daten jeweils in der Nacht auf allen angeschlossenen Kommunikationsservern der Praxen, die ein Patient aufgesucht hat, synchronisiert. Nutzer von CGM-fremder Software benötigen eine speziell entwickelte Client-Software, um auf die Funktionalitäten der Vernetzungslösung zugreifen zu können.

Einen anderen Weg geht der Ärzteverbund iprogema im niederbayerischen Dingolfing, der sich für die im April 2013 von der MicroNova AG vorgestellte Vernetzungssoftware „ViViAN“ (www.micronova.de/de/ehealth-medical-it.html) entschieden hat. Die Lösung, die in einem sechsmonatigen Pilotprojekt bei 22 ärztlichen Netzteilnehmern erfolgreich eingesetzt wurde, ermöglicht eine herstellerunabhängige Vernetzung von Arztpraxen. Ausgetauscht werden strukturierte Untersuchungsdaten wie Diagnosen oder Laborergebnisse.

Mit der Lösung setzen die beteiligten Ärzte auf eine einheitliche Softwarelösung zur Übermittlung relevanter Patienten- und Behandlungsdaten – dazu zählen etwa Informationen über Untersuchungen, Laborergebnisse oder Krankschreibungen. Von besonderer Bedeutung für den Schutz der Patientendaten ist dabei das dezentrale Konzept: Die Praxen beziehungsweise Ärzte sind direkt miteinander verbunden und tauschen Daten via „Peer-to-Peer“-Verbindung aus, eine Datenablage etwa in einer Cloud-Umgebung entfällt. Zudem lässt sich die Lösung nahtlos in vorhandene Umgebungen integrieren, so dass vorhandene Arztinformationssysteme weiterhin genutzt werden können.

„Unsere Ärzte benutzen drei verschiedene Praxisverwaltungssysteme, die seit der Installation der Software alle reibungslos untereinander Daten austauschen – sofern das der Patient genehmigt hat“, erläuterte Stephan Besl, Geschäftsführer der iprogema GmbH & Co. KG. „Die Vorteile sind vielfältig und reichen von der Vermeidung von Doppeluntersuchungen bis hin zu einem verbesserten übergreifenden Behandlungsansatz.“ Technische Basis ist eine patentierte Schnittstelle namens DS-SQLAB.

Die Vernetzungssoftware ist zudem die technologische Plattform für weitere Produkte wie etwa eine strukturierte Dokumentationslösung für verschiedene Fachgruppen (VisioDok; www.visiodok.de), eine Vertragssoftware und eine Software für den herstellerneutralen Datenexport aus Medizintechnikgeräten. Heike E. Krüger-Brand

Anforderungen an eine Praxisnetz-Software

Vor der Auswahl für ein IT-System sollte ein Praxisnetz grundlegende Anforderungen festlegen und überlegen, welche Funktionen es benötigt. An erster Stelle steht die Frage, wie die vorhandenen Praxisinformationssysteme angebunden werden sollen. Zu klären ist auch, ob es eine dezentrale Lösung oder eine zentrale serverbasierte Lösung sein soll. Wie können die Netzärzte auf die Informationen zugreifen und diese nutzen, wie werden die Patienten eingebunden? Welches Maßnahmen für den Datenschutz und die Datensicherheit sind vorgesehen? Welche gemeinsam genutzten Netzinhalte sollen gegebenenfalls über die Lösung genutzt werden (wie etwa Online-Terminbuchung, Behandlungspfade, netzeigene Formulare etc.).Und: Mit welchen Kosten ist zu rechnen?

Infos unter www.deutsche-aerztenetze.de und www.kvno.de/downloads/Ausw_Praxisnetz_IV.pdf (die Marktanalyse der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein stammt zwar aus dem Jahr 2008, gibt jedoch Anhaltspunkte, worauf bei der Auswahl zu achten ist).

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema