ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 4/2013Geldanlage: Neue Fonds erfüllen selten die Erwartungen

SUPPLEMENT: PRAXiS

Geldanlage: Neue Fonds erfüllen selten die Erwartungen

Dtsch Arztebl 2013; 110(46): [32]

Fischer, Leo

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In den vergangenen zwölf Jahren sind knapp 10 000 Fonds auf den Markt gekommen. Davon sind fast 30 Prozent keine fünf Jahre alt geworden.

Bei vielen Sparern herrscht die Meinung vor, dass Banken und Investmentgesellschaften dann einen neuen Investmentfonds auflegen, wenn die Experten für das Anlagethema des Fonds besonders gute Chancen einer günstigen Wertentwicklung sehen. Das ist aber offenbar nicht der Fall. Es ist vielmehr so, dass vor allem die Marketingexperten entscheiden, wenn und wann ein neuer Fonds aufgelegt wird. Die Story um den neuen Fonds muss sich gut verkaufen, damit die Anleger einsteigen.

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Alarmierend ist in diesem Zusammenhang eine Analyse des Research-Unternehmens Scope, Berlin. Die neuen Fonds erfüllen selten die Erwartungen der Anleger in die Wertentwicklung, und zahlreiche Fonds werden bereits nach kurzer Zeit geschlossen. Fast 30 Prozent der neu aufgelegten Fonds überleben keine fünf Jahre. Wenn ein Fonds geschlossen wird, muss die Kapitalanlagegesellschaft den Anlegern zwar das Angebot machen, kostenfrei in einen Fonds entsprechender Ausrichtung zu tauschen. Aber was passiert, wenn entsprechende Alternativen in der Palette der Fondsgesellschaften fehlen? Dann ist guter Rat teuer, und der Anleger wird an einen Fonds weitergegeben, der der Zielrichtung des geschlossenen Fonds am ehesten entspricht, aber nicht zu 100 Prozent die Wünsche des Anlegers trifft.

Vor allem die Finanzkrise seit 2007 überlebten viele Fonds nicht. In Zahlen: Nach der Auswertung der Ratingagentur Scope sind in den vergangenen zwölf Jahren 9 928 Fonds auf den Markt gekommen. Davon sind fast 30 Prozent keine fünf Jahre alt geworden. 15 Prozent der neuen Fonds überlebten nach Scope-Rechnung nicht die ersten drei Jahre. 22 Prozent wurden nach vier Jahren geschlossen und 29 Prozent nach fünf Jahren.

Modeströmungen

Nach Ansicht der Scope-Analysten ist der Nutzen zahlreicher neuer Fondsprodukte äußerst fragwürdig, nur selten würden diese eine gegenüber den etablierten Fonds bessere Rendite bringen. Es gebe zudem wenige wirklich neue Konzepte; außerdem seien diese aufgrund des geringen Volumens mit hohen Kosten verbunden. Vor allem viele Geldmarkt- und Aktienfonds wurden in den letzten Jahren geschlossen.

Foto: Fotolia/Renee Jansoa
Foto: Fotolia/Renee Jansoa

Bei Geldmarktfonds ist die Erklärung sehr einfach. Wegen des niedrigen Zinsniveaus ist die Performance der Geldmarktfonds völlig unattraktiv. Das aber ist nicht den Investmentgesellschaften anzulasten, sondern ist die Spätfolge der Finanzkrise. Um Pleiten vor allem bei den Banken zu vermeiden, haben die Notenbanken sehr viel Geld in die Wirtschaft gepumpt. Dadurch fielen die Zinsen auf ein Rekordtief, auch die Lebensversicherungen leiden darunter.

Für die Aktienfonds gilt das natürlich nicht. Hier wirkt sich aus, dass die Fondskonzeptionäre sich bei der Auflegung von Fonds allzu sehr durch Modeströmungen leiten lassen, die nur von relativ kurzer Dauer sind. Das war vor allem um die Jahrhundertwende zu spüren, als das Internet boomte und die Internetfonds nur so aus dem Boden schossen. Heute sind diese längst in anderen Fonds aufgegangen. Auch zeigte sich in der Finanzkrise, dass viele Aktienfonds sich den starken Marktschwankungen nicht entziehen konnten.

Ein Jahr warten

Wird sich der Trend zu Fondsschließungen in den nächsten Jahren fortsetzen? Wahrscheinlich nicht. Gerade in der Finanzkrise gab es viele Fondsneugründungen, die sich während der Markturbulenzen nicht bewährten. Die meisten Fondsschließungen gab es in der Zeit nach der Lehman-Pleite (September 2008). Diese Folgen der Lehman-Pleite scheinen jetzt abgearbeitet zu sein. Derzeit hält sich die Zahl der Fondsneugründungen im Rahmen, das sollte die Zahl der Fondsschließungen drücken.

Im Sommer 2013 ermittelte das Fondsresearch-Unternehmen Lipper in Europa 31 877 Fonds, eigentlich genug, um die unterschiedlichen Präferenzen der Anleger erfüllen zu können. Allerdings erwartet Lipper, dass die Zahl der Fonds weiter steigen wird. Jede Fondsgesellschaft möchte möglichst die gesamte Palette der Anlegerwünsche abdecken. Dabei wird keine Rücksicht darauf genommen, ob die Anleger wirklich den zigsten Pharmafonds benötigen.

Es gab einmal Zeiten, da nur neue Fonds auf den Markt kamen, wenn die Kapitalanlagegesellschaften auf eine Sicht von neun bis zwölf Monaten eine Performance von zehn Prozent erwarten konnten. Heute sind solche Fonds die Ausnahme. Die Scope-Analysen raten den Anlegern, zunächst einmal ein Jahr abzuwarten, bevor ein Einstieg ins Auge gefasst werden sollte. Ob zwölf Monate ausreichen, um den Fonds und sein Management einschätzen zu können, wird von anderen Experten angezweifelt. Die meisten Branchenkenner plädieren für fünf Jahre Wartefrist. Aber auch Fonds, die sich anfänglich bewährt haben, können zu Einstellungskandidaten werden. Ein erstes Warnzeichen ist immer die fehlende Performance, die viele Anleger zum Ausstieg veranlasst. Daher sollten Mittelzuflüsse und -abflüsse beobachtet werden, darüber gibt die Statistik des Branchenverbands BVI jeden Monat Auskunft. Vorsicht ist geboten, wenn das Fondsvolumen auf weniger als 100 Millionen geschrumpft ist. Es zeigt sich: Kleine Fonds sind vor allem von der Schließung betroffen.

Dr. Leo Fischer

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