ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 4/2013Börsebius rund ums Geld: Börsenampeln weiter auf „grün“

SUPPLEMENT: PRAXiS

Börsebius rund ums Geld: Börsenampeln weiter auf „grün“

Dtsch Arztebl 2013; 110(46): [29]

Rombach, Reinhold

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Wird der DAX weiter steigen und wenn ja, welche Werte muss der Anleger kaufen, welche unbedingt meiden? Unser Kolumnist Börsebius gibt eine Hilfestellung.

Der Deutsche Aktienindex DAX legt eine fulminante Hausse hin. In der letzten Oktoberwoche wurde der Neuntausender-Gipfel locker geknackt. Etliche Auguren meinen, es wäre nur noch eine Frage der Zeit, bis das neue Top von 10 000 Indexpunkten erreicht ist. Und wenn das einträfe, dann ginge das Feuerwerk auch noch weiter. Erstaunlich bei dieser Rallye ist allerdings, dass sie bisher fast nur von Profis getragen wurde, während sich die Privatanleger bislang kaum trauten, Aktien zu kaufen. Das hat natürlich auch seinen Grund. Zu viele Anleger haben sich erst beim Einbruch des Neuen Marktes und später in der Finanzmarktkrise blutige Nasen geholt und sitzen teilweise immer noch auf Verlusten von damals. Eine rechtzeitige Verbilligung der Einstandspreise durch mutige Nachkäufe trauten sie sich dann doch nicht. Wie das dann immer so ist, wenn neue Gipfel erklommen werden, steigt spätestens jetzt auch der Mut. Immer mehr wollen nun auf den fahrenden Zug aufspringen, egal, was es dann kostet.

Anzeige

Für den Kursaufschwung gibt es einen Hauptgrund: Geld, Geld und nochmals Geld. Die Notenbanken fluten die Finanzmärkte mit Liquidität en masse. Die Idee dahinter ist einfach: Die Unternehmen sollen mit billigen Krediten neue Investitionen in Gang setzen, um so der lahmenden Konjunktur auf die Beine zu helfen. Doch die Unternehmen stecken das Kapital lieber in die Aktienmärkte und tragen somit möglicherweise zu einer gigantischen Blasenbildung bei. Das gilt freilich auch für den Immobilienmarkt, bei dem die Preise ziemlich Überhand nehmen, wie kürzlich die Bundesbank warnte.

Berechtigte Inflationsängste

Doch zu viel Geld im Wirtschaftskreislauf hat immer auch eine beängstigende Dimension. Auf mittlere und lange Sicht baut sich hier ein gewaltiges Inflationspotenzial auf. Aus diesem Grund müssten die Währungshüter eigentlich längst auf die Bremse steigen. Doch sie trauen sich nicht. Zu wenig vernarbt sind noch die Auswirkungen der Finanzmarktkrise und zu groß ist die Angst, die Weltkonjunktur abzuwürgen.

A apropos abwürgen: Wer vor ein paar Wochen die unwürdigen Machtspiele zwischen Republikanern und Demokraten im Haushaltsstreit bis hin zum „Government Shutdown“ erlebt hat, kann nur noch völlig konsterniert zur Kenntnis nehmen, dass die US-Administration drauf und dran war, der Weltwirtschaft schweren Schaden zuzufügen. Das Schlimme daran ist, dass das nicht erledigte Problem „Haushaltsstreit“ mitnichten ausgestanden ist, sondern Mitte Januar 2014 mit voller Breitseite wieder auf die handelnden Personen und Parteien zurast. Wieder stehen schwerste Verwerfungen im Raum bis hin zu einer möglichen Staatspleite der USA – das nur, weil die Streithähne bockig und engstirnig agieren. Da wendet sich der Gast mit Grausen. Was in einem solchen Fall mit den globalen Finanzmärkten passieren wird, mag ich mir gar nicht ausmalen. Alleine die drohenden Streitigkeiten werden die Märkte schon in Aufruhr versetzen.

So wird es also auch weiterhin dabei bleiben, dass die Märkte mit üppigster Liquidität versorgt werden. Damit stehen die Ampeln für einen weiteren Gipfelsturm im DAX eindeutig auf grün. Das hat – neben dem wichtigen Thema Liquiditätshausse – auch damit zu tun, dass der Deutsche Aktienindex im Vergleich mit seinen Konkurrenten noch vergleichsweise preiswert ist. Also: Der DAX ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13 (auf Basis der Gewinne für das Geschäftsjahr 2013) zwar spürbar teurer als zu Jahresbeginn. Da lag das KGV noch bei elf. Aber im Vergleich dazu ist der der amerikanische Index S&P 500 mit einem KGV von 16,1 deutlich ambitionierter bewertet. Auch aus diesem Blickwinkel ist demnach durchaus noch Luft nach oben. Genau diesen Aspekt haben auch global agierende Investoren in den vergangenen Monaten offenbar gesehen, denn deutsche Qualitätstitel zählten bei den Institutionellen zu den bevorzugten Werten. Zwar halten viele Experten es für möglich, dass es zwischenzeitlich zu Korrekturen kommen kann, aber ebenso gehen sie davon aus, dass die Profis solche abgesenkten Niveaus zu erneuten Käufen nutzen werden. Es gibt halt auch kaum Alternativen, wenn für Festgelder und Anleihen nur noch kümmerliche Zinsen bezahlt werden.

Selektion ist Trumpf

Nun heißt das nicht, dass es völlig egal ist, welche Werte gekauft werden. Zwar gibt es für Haussephasen eine alte Börsenregel „geht Butter, geht Käse“, doch ob die immer so stimmt, wage ich doch sehr zu bezweifeln. Oft werde ich gefragt, ob man nicht gerade jetzt die Energieversorger kaufen müsse, weil die Kurse doch so sehr unter die Räder geraten seien, sich aber mittlerweile wieder erholt hätten. Es stimmt in der Tat, vor allem EON und RWE haben in den letzten Wochen eine deutlich bessere Wertentwicklung als der DAX hingelegt. Das hängt möglicherweise auch mit der Fantasie des Marktes zusammen, die neue Regierung werde mehr Mut zu Reformen in der Stromerzeugung aufbringen. Das kann aber auch ins Auge gehen; zu komplex ist hier die Materie und zu unterschiedlich die Erwartungen der Koalitionsparteien. Dem besonnenen Anleger hilft ein Blick auf die Ratingagenturen durchaus weiter. Fitch stufte vor gut einem Vierteljahr die Kreditwürdigkeit der beiden deutschen Marktführer herab, und RWE hat mittlerweile bei allen drei großen Ratingagenturen das hochbegehrte „A“ verloren. Das bedeutet im Ergebnis höhere Finanzierungskosten und erheblichen Druck auf die Gewinne.

Manchmal ist es aber auch wichtig, seine Haltung zu einer Aktie zu überprüfen und eben auch mal zu ändern. Einmal Feind, immer Feind ist an der Börse eine falsche Strategie. Mir passiert das gerade mit der Aktie der Deutschen Telekom, gegen die ich schon seit dem Börsengang negativ eingestellt war. Nun ist es nicht so, dass die grundsätzlichen Probleme des Konzerns (zu geringe Margen, Kundenabwanderung, schwieriges US-Geschäft) aus der Welt wären, aber es haben sich zwei Parameter geändert: Zum einen findet gerade eine großflächige Bereinigung des globalen Telekommunikationsmarkts statt, und zum anderen dürfte die Deutsche Telekom nachhaltig von einer fundamentalen (politisch motivierten) Veränderung in der EU profitieren, wonach die Weiterleitungsentgelte, die Konkurrenten an die Telekom bezahlen müssen, spürbar angehoben werden sollen. Hierzu passt dann auch der massive Ausbau des Glasfasernetzes. Das alles gefällt mir ausnehmend gut, und ich gestehe der Telekom eine Kurschance von 18 Euro zu.

Legale Insider

Übrigens: Wer sich bei der Aktienauswahl nicht auf den Rat von Bankern verlassen will, kann sich einer sehr fundierten Quelle bedienen, die meines Erachtens sträflich vernachlässigt wird. In Deutschland müssen nämlich Organmitglieder von börsennotierten Aktiengesellschaften binnen kürzester Zeit der Bankenaufsicht mitteilen, wann und wie viele Aktien „ihres“ Unternehmens sie erworben oder verkauft haben. Auf der Internetseite der Bankenaufsicht (www.bafin.de) kann man die Insidertransaktionen der Topmanager unter „Directors Dealings“ (Meldungen nach § 15a WpHG) ziemlich zeitnah nachvollziehen. Wer hieraus die richtigen Schlüsse zieht, hat gute Chancen, eine Überperformance im Vergleich zum Markt zu erzielen. Auf direktem Weg an offensichtlich marktrelevante und erfolgsträchtige Informationen zu kommen, ohne Hilfe von Dritten und das alles gebührenfrei, das hat doch was. Quasi legaler Insider sein.

Stimmt die Titelauswahl, kann der Anleger also getrost auf eine weitere gute Performance seines Depots hoffen. Im DAX ist durchaus noch Musik drin. Das gilt aber auch für Indices unterhalb des DAX wie dem MDax oder dem SDax (beispielsweise SGL Carbon oder VTG), Es kommt auf den richtigen Einsatz an. Sowohl bei der Wahl der Stücke als auch beim Zeitpunkt. Dabei kann das Bauchgefühl mehr helfen als so mancher vermeintlich neutrale Rat eines Bankberaters. Reinhold Rombach

Leserservice: Zehn goldene Anlageregeln zum Börsenerfolg

Börsebius hat für Sie seine persönliche Anlagefibel „Zehn goldene Anlageregeln zum Börsenerfolg“ vorbereitet. Gegen Einsendung eines an Sie selbst adressierten und ausreichend frankierten Rückumschlages erhalten Sie diese zugesandt. Schreiben Sie an: Diplom-Ökonom Reinhold Rombach, Franz-Marc-Straße 4 in 50999 Köln. Sie erhalten die Anlagefibel kostenfrei als speziellen Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema