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Aktienmarkt: Die Kleinen sind obenauf

Dtsch Arztebl 2013; 110(46): [34]

Fischer, Leo

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Gerade in Zeiten der konjunkturellen Erholung, wie wir sie derzeit erleben, zeigen die kleineren Aktienwerte ihre Stärken gegenüber den großen Standardwerten.

Foto: Fotolia/cynoclub
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Die großen Standardwerte, wie sie im DAX oder im Dow-Jones-Index vertreten sind, gelten als besonders sicher. Nur selten passiert es, dass ein Unternehmen, das zu diesen Blue Chips gerechnet wird, seine Zahlungen einstellen muss, also insolvent wird. Beim Anleger sind sie auch sehr geschätzt, weil sie hohe Dividenden auszahlen und damit eine stabile Kursentwicklung haben.

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Aber es gibt Zeiten, da haben die kleinen Werte, die Small Caps, die Nase vorn. Und langfristig schlagen sie sehr oft die Blue Chips, die von vielen wie große Schiffe als zu schwerfällig angesehen werden, um schnell auf die Veränderungen in der Wirtschaft zu reagieren. „Ein Blick in die Historie zeigt, dass Small Caps in den vergangenen 25 Jahren die Aktien großer Unternehmen 21-mal geschlagen haben“, erklärt Karsten Stroh, Managing Director und Experte für europäische Aktien von JP Morgan Asset Management. Und er fügt hinzu, dass es sich nicht um ein europäisches, sondern vielmehr um ein weltweites Phänomen handele.

Das bestätigt auch eine Studie, die unlängst von der Kapitalanlagegesellschaft Allianz Global Investors Europe GmbH veröffentlicht wurde, die wie der Name sagt, zur Allianz-Gruppe gehört. Wie die Entwicklung des weltweit berechneten MSCI Index zeigt, haben die Small Caps seit Anfang 2000 die Large Caps (Abkürzung für capitalization = Börsenwert des Unternehmens, der sich aus der Multiplikation von Kurs mit der Zahl der Aktien ergibt) deutlich geschlagen. Dass der MSCI-Index in dieser Zeit einen Wertzuwachs von rund 270 Prozent erzielt hat, ist den kleinen Werten zu verdanken. „Small Caps waren in dieser Zeit die Wachstumstreiber“, heißt es in der Untersuchung der Allianz Global Investors Europe GmbH. Dies kommt auch im altbekannten Slogan zum Ausdruck „Small is beautiful.“

Allerdings gibt es Phasen, in denen die großen Standardwerte besser abschneiden als die kleinen Werte. In Krisenzeiten legen die Anleger offensichtlich größeren Wert auf Sicherheit und bevorzugen daher die großen Werte, die den Anlegern auch besser vertraut sind als die kleinen, teilweise unbekannten Unternehmen. So war es in der Finanzmarktkrise 2008 und im Jahr 2011, das im Zeichen der Schuldenkrise stand. Man traut den großen substanzstarken Unternehmen offenbar eher zu, unbeschadet die konjunkturell schwachen Phasen schadlos zu überstehen. Gerade in Zeiten der konjunkturellen Erholung, wie wir sie derzeit erleben, zeigen aber die Small Caps ihre Stärken. Bei diesen führt der Wirtschaftsaufschwung zu schneller steigenden Gewinnen als bei den großen Unternehmen, die wie die Riesenozeanschiffe nur behäbig an Fahrt gewinnen. Der Vorteil der Großen: Sie haben aber auch in der Rezession einen längeren Bremsweg, und die Rezession trifft sie später und mit weniger Wucht.

Die Konjunkturprognosen in Deutschland und weltweit sprechen für eine wenn auch zarte Konjunkturerholung. Die wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute gehen in ihrem Herbstgutachten im kommenden Jahr von einem Wachstum von 1,8 Prozent aus, nach 0,7 und 0,4 in den Jahren 2012 und 2013. Im Gemeinschaftsgutachten heißt es: Deutschland steht „am Beginn des Aufschwungs“. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist zum fünften Mal hintereinander gestiegen. Die Automobilindustrie boomt, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Der Welthandel wird nach der Prognose des IWF 2014 um 4,9 Prozent zunehmen, (nach 2,9 Prozent in diesem Jahr). Die Konjunktursignale stehen also auf grün für die Small Caps.

Allerdings, was die Gewinnbewertung anbelangt, haben die kleinkapitalisierten Unternehmen bereits etwas von dem erwarteten Gewinnanstieg vorweggenommen. Vor allem im Vergleich zu den großen Blue Chips scheinen die Small Caps überbewertet zu sein, wenn auch nach Ansicht der Analysten berücksichtigt werden müsse, dass die kleinen Werte immer einen Bewertungsaufschlag gegenüber den Blue Chips haben. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis – auf Basis der geschätzten Gewinne der nächsten zwölf – liegt derzeit zehn bis 40 Prozent über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Das wird aber kompensiert durch das niedrige Kurs-Buchwert-Verhältnis. Dies liegt meist unter dem langfristigen Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre und weit unter der Spitzenbewertung Ende 2007.

Anleger, denen vor allem an einer hohen laufenden Ausschüttung gelegen ist, fahren mit den Blue Chips besser. Noch einen Nachteil haben die Small Caps für den Privatanleger: Die kleinen Werte werden nicht so gut durch Research der Analysten abgedeckt wie die großen Werte. Auf eigene Faust die richtigen Werte herauszufiltern, ist bei den Small Caps aber nicht so leicht möglich. Hier ist der Privatanleger weitgehend auf Investmentfonds angewiesen. Small Caps sollten immer nur als eine Beimischung betrachtet werden, der Schwerpunkt des Depots sollte im Aktienbereich bei den Standardwerten liegen. Dr. Leo Fischer

Definitionen

Large Caps = Marktkapitalisierung zehn Milliarden Euro und mehr

Small Caps = Marktkapitalisierung bis zu vier Milliarden Euro

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