ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2013Kinder lernen Zirkusnummer: Mehr als Körperbeherrschung

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Kinder lernen Zirkusnummer: Mehr als Körperbeherrschung

Dtsch Arztebl 2013; 110(47): [51]

dpa

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„Eine Schule für Circusverrückte“ – so beschreibt sich der Verein Jokes. Bis zu 500 Kinder ab vier Jahren, Jugendliche und junge Erwachsene kommen jede Woche zum Training, erzählt Geschäftsführer Dietmar Hatesuer. In Kursen lernen sie, auf einem Einrad zu fahren, zu jonglieren oder auf einem Seil zu tanzen. „Da so viele verschiedene Disziplinen vertreten sind, erreicht man fast alle Kinder und Jugendlichen“, berichtet der 52 Jahre alte Zirkuspädagoge.

Fotos: dpa
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Mehr als die Hälfte der Kurse bietet Jokes an Schulen, etwa im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften, an. Auch mit Projektwochen versuchen die derzeit 17 Mitarbeiter – darunter Artisten und Erlebnispädagogen – Kinder und Jugendliche an die Zirkuswelt heranzuführen. Gemeinsame Auftritte spielen bei allen Angeboten eine wichtige Rolle. „Die Jugendlichen wissen: Zirkus ist etwas, das man auf der Bühne zeigt. Sie wollen das, was sie gelernt haben, auch zeigen“, sagt Hatesuer.

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Beim Training geht es ihm zufolge aber nicht nur um Dinge wie Körperbeherrschung. „Es geht um viele Grundfertigkeiten, die man im Leben braucht.“ So lernten die Jugendlichen etwa, nicht gleich beim ersten Scheitern aufzugeben, gemeinsam etwas zu erarbeiten, Rücksicht zu nehmen und die eigene Wahrnehmung zu schärfen. Einen Schwerpunkt sieht Jokes in der Arbeit mit jungen Menschen, die aus schwierigen Verhältnissen kommen. Um etwa Kinder mit Migrationshintergrund zu erreichen, organisiert Jokes Angebote in sogenannten benachteiligten Stadtteilen. „Wenn Kinder gemeinsam trainieren, spielt die Herkunft keine Rolle mehr.“ Selbst unterschiedliche Sprachen rückten schnell in den Hintergrund. „Zirkus hat seine eigene Sprache.“

Finanziert wird die Arbeit mit Hilfe von Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Einnahmen durch Auftritte. Projekte werden zudem mit öffentlichen Geldern gefördert. Damit die Zirkusbegeisterten künftig nicht mehr überwiegend in Turnhallen üben müssen, will Jokes im kommenden Jahr einen festen Zirkusplatz mit Zelt und Wagen aufbauen. „Wir brauchen einen Ort, mit dem man sich identifizieren kann“, sagt Hatesuer. Eine erste finanzielle Unterstützung hat es bereits gegeben. Die Bürgerstiftung Bremen bezuschusst den Zeltboden mit 4 000 Euro. dpa

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