ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2013Schach: Gelebtes Ost und West

SCHLUSSPUNKT

Schach: Gelebtes Ost und West

Dtsch Arztebl 2013; 110(47): [52]

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Schrieb ich zufällig schon einmal, dass ein Ärzteschachturnier eine gute Sache sei? Das wurde mir spätestens beim letzten im April wieder klar, als ich zu meiner Überraschung vernahm, dass es quasi vor meiner (Münchner) Haustür in Starnberg seit elf Jahren zu Ost-West-Begegnungen der besonderen Art komme und diese Idee beim Ärzteschachturnier 2001 geboren wurde.

Seit 2002 treffen sich alljährlich der Starnberger und der Naumburger Schachklub – einmal in Bayern, einmal in Sachsen-Anhalt, angeführt jeweils von ihren Leitwölfen, dem Starnberger Dr. med. Ulrich Fincke und dem Naumburger Dr. med. Jens-Frieder Mükke.

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Mit wechselndem Schlachtenglück, wobei beide nicht nur auf dem Schachbrett den Gegner mit List und Tücke einzulullen versuchen. Die Kampfstrategien beginnen laut Dr. Mükke schon lange vorher, wenn die jeweiligen Gäste zu schmackhaften und opulenten Gastmählern, bei denen auch die „geistigen Getränke“ nicht fehlen dürfen, eingeladen werden – „plenus venter non studet libenter“. Das ist natürlich keinesfalls moralisch verwerflich, schließlich gab schon der große Schachmeister (und Priester!) Ruy Lopez de Segura am Hofe des spanischen Königs Philipp II. im 16. Jahrhundert diesen Rat.

Des weiteren werden an diesen langen Wochenenden immer umfangreiche Besichtigungen eingeplant, um den von der Anreise schon müden Gast zusätzlich zu schwächen. Jeder spielt natürlich seinen Heimvorteil aus, die Naumburger beispielsweise zeigen als Schockbehandlung gerne ihren Dom mit den schachspielenden Affen (vergessen Sie die Uta!), wobei schon die Antike den Affen gerade wegen seiner Ähnlichkeit mit dem Menschen als scheußliches Tier (turpissima bestia) ansah. Sollte das noch nicht genügen, wird „Blitzschach“ (Fünf-Minuten-Partien) auf einem Großfeldschach an der frischen Luft gespielt, eine „außerordentliche körperliche Leistung für die sonst am Schachbrett eher kataton stuporös wirkenden Schachjünger“ (Dr. Mükke). Als eine Partie für Naumburg indes kritisch stand, gab es Gott sei Dank einen Haushund, der „auch Gefallen am Figurenspiel gefunden hatte und diese in einem Anfall von Tollheit wild durcheinanderwirbelte. Keiner der Anwesenden konnte nach endlosen Diskussionen, gegenseitigen Schuldzuweisungen und lebenslangem Schachverbot für den armen Hund die völlig aberwitzige Stellung rekapitulieren, so dass man sich auf remis einigte“ (Dr. Mükke). Wie meinte doch unser Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe: „Ich wollte lieber das Geheul der Totenglocke, lieber das Gebell des knurrischen Hofhunds hören als von Läufern, Springern und anderen Bestien das ewige ‚Schach dem König!‘“ Sage noch einer, Schach sei langweilig.

Ich selbst durfte in diesem Jahr als Gast auch einmal am besonderen Geist dieser Treffen schnuppern, aparterweise im Krankenhaus Starnberg – warum eigentlich nicht, schließlich wurde Schach schon im All und auf dem Meeresboden gespielt! Obendrein ist Schach gesundheitsfördernd (hoffen wir das Gleiche von Krankenhausbehandlungen!) und (weitgehend) nebenwirkungsfrei.

So erfuhr ich auch vom grandiosen Sieg des Starnbergers Safet Terzic gegen den Naumburger Großmeister Dr. Burkhard Malich in nur 17 Zügen.

Mit welchem Opferschlag setzte Weiß schnell matt?

Lösung:

Nach dem Läuferopfer 1.Lxh7+! gab Schwarz schon auf, weil er nach 1. . . . Kxh7 2. Th3+ Kg8 3. Dh5 dem Matt auf der h-Linie nicht mehr entrinnen könnte.

Auch die Ablehnung des Opfers mit 1. . . . Kh8 hätte wegen 2. Dh5 usw. nicht geholfen.

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