ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2013Fallpauschalen: Abschaffen
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. . . Es handelt sich um einen der wichtigsten Artikel, der in den letzten Monaten im DÄ erschienen ist.

Das vor zehn Jahren „mit deutscher Gründlichkeit“ eingeführte DRG-System hatte ja zunächst das Ziel, die unnötig langen Liegezeiten zu vermindern, was auch gelang. Das vollständige Unterordnen der Bezahlung von Krankenhausleistungen unter das DRG-System hat aufgrund der von Simon geschilderten systemimmanenten Fehler inzwischen zu großen Kollateralschäden geführt. Als Beispiel sollen die nachhaltige Störung der Zusammenarbeit der Krankenhäuser untereinander, die unsägliche „Mengenausweitung“ invasiver Methoden und die ungenügende Finanzierung der Krankenhäuser genügen. Allein die Tatsache, dass eine Sonderfinanzierung der Universitätskliniken infrage gestellt wird, ist grotesk. Das DRG-System hat zu einer extrem ungesunden Konkurrenz unter den Krankenhäusern geführt, die in keiner Weise den Interessen der Patienten dient. Selbst die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Kollegen ist durch den „Kodierungswahn“ gestört. Die Tätigkeit der meisten Chefärzte kann inzwischen nicht mehr als „freier Beruf“ bezeichnet werden, da sie durch ökonomische Zwänge zu sehr in ihrer therapeutischen Freiheit eingeschränkt werden, was sich dann auch wieder negativ auf die Ausbildung des medizinischen Nachwuchses auswirkt. Nicht zuletzt scheinen die Einspareffekte der kürzeren Liegezeiten durch ein personelles Aufrüsten aufseiten der Kliniken und Krankenkassen (Kodierer, MDK etc.) wieder zunichtegemacht zu werden.

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Es ist pikant, dass dieses System ausgerechnet von den sich doch immer als besonders humanistisch gebärdenden Sozialisten, das heißt Rot-Grün, auf den Weg gebracht wurde und bestätigt damit wieder einmal das ewige Paradoxon, dass jene, die das „Gute“ wollen, oftmals das „Schlechte“ produzieren . . . Unter den gegebenen Umständen wäre es das Beste und Verantwortungsvollste, das DRG-System als Hauptkriterium für die Bezahlung von Krankenhausleistungen abzuschaffen. Auch auf dem nächsten Ärztetag sollte das Thema DRG ausgiebig diskutiert werden.

Prof. Dr. med. Jens Oeken, Chefarzt der Klinik für HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie, Klinikum Chemnitz gGmbH, 09116 Chemnitz

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