ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2013Geschichte der Medizin: Ärzte, Bader und Barbiere

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Geschichte der Medizin: Ärzte, Bader und Barbiere

Dtsch Arztebl 2013; 110(47): A-2282 / B-2008 / C-1942

Wanner, Ernst

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Originale Trepanationsinstrumente zur Öffnung des Schädels (18. Jahrhundert) vermitteln einen Eindruck früherer Behandlungsmethoden. Foto: Ernst Wanner
Originale Trepanationsinstrumente zur Öffnung des Schädels (18. Jahrhundert) vermitteln einen Eindruck früherer Behandlungsmethoden. Foto: Ernst Wanner

Eindrucksvoll zeigt eine Ausstellung in Zülpich die Entwicklung der medizinischen Berufe.

Die Ausstellung „Ärzte, Bader und Barbiere. Medizinische Versorgung zwischen Mittelalter und Moderne“ im Museum Römerthermen Zülpich zeigt die Entwicklung der medizinischen Versorgung vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Nur langsam wuchs seit dem 15. Jahrhundert das Verständnis der Anatomie und der Physiologie des Menschen. Lange Zeit standen die Menschen zahlreichen Krankheiten und Seuchen wie Pest, Lepra und Syphilis nahezu machtlos gegenüber. Oft wandten sich die Kranken deshalb an spezielle Schutzpatrone wie Cosmas und Damian. Allein durch deren wundersame Hilfe schien Heilung möglich.

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Eindrucksvoll zeigt die Ausstellung die Entwicklung der medizinischen Berufe. So wurden die Innere Medizin und die Chirurgie lange von streng getrennten Arztgruppen ausgeübt. Die an Hochschulen ausgebildeten Wundärzte waren von den handwerklichen Berufen wie Badern und Barbieren getrennt. Die Barbiere dehnten ihre ursprüngliche Friseurtätigkeit im Laufe der Zeit aus wirtschaftlichen Gründen auf den medizinischen Sektor aus. Zu den handwerklichen Berufen zählte man im Mittelalter erstaunlicherweise ebenfalls die Apotheker, deren Schutzheiliger, der Heilige Damian, mit einem Salbgefäß dargestellt wird. Ablesbar ist auch eine gewisse Rivalität unter den einzelnen Gesundheitsberufen.

Einen wichtigen Aspekt in der medizinischen Entwicklung bildet der Umgang mit Schmerzpatienten. Mittelalterliche Darstellungen zeigen oft den schmerzgeplagten Patienten, der gefesselt ist und zusätzlich festgehalten wird. Eine Amputationssäge aus dem 18. Jahrhundert und originale Trepanationsinstrumente vermitteln einen Eindruck damaliger Behandlungsmethoden. Erst spät wurden wirkungsvolle schmerzstillende Substanzen wie Morphium und Opium und deren richtige Dosierung entdeckt.

Besonderen Genuss vermitteln zahlreiche medizinische Blätter der Enzyklopädie von Diderot aus dem 18. Jahrhundert. Anatomische Darstellungen, zum Beispiel einer Brustoperation, stehen neben sorgfältigen Abbildungen der eingesetzten medizinischen Geräte. Bewundernd steht man vor diesen Abbildungen, die wissenschaftliche Erkenntnis mit bestechend ästhetischer Gestaltung verbinden.

Zu bewundern ist unter anderem auch ein Kalender aus dem Jahr 1548, der anzeigt, welcher Tag als geeignet anzusehen ist für Aderlässe, das Schröpfen oder ein Bad. Überraschend ebenfalls ein Apothekergefäß, das laut lateinischer Inschrift menschliches Fett enthält, das von Hingerichteten gewonnen und gegen die Fallsucht eingesetzt wurde.

Weitere wichtige Hinweise enthält der exzellente Katalog (28 Euro) zur sachkundig vom Anästhesisten Dr. med. Martin Widmann kuratierten Ausstellung, wie zum Beispiel die Geschichte des Girolamo Fracastoro, der schon im 15. Jahrhundert entgegen der herrschenden Miasmenlehre die Übertragung ansteckender Krankheiten durch Keime vertrat.

Neben dieser Sonderausstellung „Ärzte, Bader und Barbiere“ ist die hervorragend erhaltene und zum Museum ausgebaute Therme aus der Römerzeit sehenswert und auch für Kinder anregend gestaltet.

Ernst Wanner

Römerthermen Zülpich – Museum der Badekultur; Andreas-Broicher-Platz 1 (ehemals Mühlenberg) 53909 Zülpich:; Telefon: 02252 838060; www.roemerthermen-zuelpich.de, Dauer: bis 2.Februar 2014

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