ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2013Telemedizin: Plattform für Hämophilie-Patienten

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Telemedizin: Plattform für Hämophilie-Patienten

Dtsch Arztebl 2013; 110(47): A-2276 / B-2002 / C-1937

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Die Telemetrieplattform „smart medication“ unterstützt Ärzte und Patienten auch mobil beim Krankheitsmanagement
Die Telemetrieplattform „smart medication“ unterstützt Ärzte und Patienten auch mobil beim Krankheitsmanagement

Patienten mit angeborener Hämophilie A und B benötigen lebenslang eine intravenöse Substitution des fehlenden Gerinnungsfaktors, der bis zu dreimal wöchentlich appliziert werden muss. In der ärztlich kontrollierten Heimselbstbehandlung verabreicht sich der Patient die Injektionen selbst, so dass sich seine Arztbesuche auf zwei- bis dreimal pro Jahr beschränken können.

Nach dem Transfusionsgesetz muss jede Injektion von Gerinnungsfaktoren dokumentiert werden. Bisher geschieht dies über ein handschriftlich geführtes Substitutionstagebuch. Einige gesetzliche Vorgaben, wie etwa die unverzügliche Rückverfolgbarkeit infizierter Produktchargen, konnten jedoch bislang nicht erfüllt werden. Zudem sind notwendige Therapieanpassungen oftmals nicht zeitnah möglich, wenn der Arzt das Tagebuch nur zwei- bis dreimal jährlich zur Auswertung erhält. Eine manuelle Übertragung der Dokumentation in Excel-Tabellen ist darüber hinaus fehleranfällig und die Auswertung der Tabellen extrem zeitaufwendig.

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Für Patienten, die weit entfernt von ihrem betreuenden Hämophiliezentrum wohnen, bietet die Telemetrieplattform „smart medication“ eine sinnvolle Unterstützung bei der ärztlich kontrollierten Heimselbstbehandlung. Die Lösung hat das Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Marburg gemeinsam mit der IT-Firma Rösch & Associates, Frankfurt, entwickelt. Sie ist seit Februar 2012 im Einsatz und kann mit allen Smartphones, PCs und Tablets genutzt werden. Das System umfasst vier Module:

  • Das Modul „Medikamentenlogistik“ ist eine App für den Arzt beziehungsweise das Hämophiliezentrum zur Bestandsverwaltung und Erfassung der Medikamentenausgabe.
  • Mit der App „Patiententagebuch“ kann der Patient Blutungsereignisse und die Heimselbstbehandlung (bei Bedarf und zur
    Prophylaxe) einschließlich Barcode-Scan von Medikamenten und Notfallinformationen dokumentieren. Die App ermöglicht ihm eine Echtzeitüberwachung seines Krankheitsverlaufs. Das Einscannen von Medikamenten-Barcodes vermeidet Fehler durch manuelle Eingaben und spart Zeit.
  • Das Modul „Patientenmonitoring“ besteht aus einer speziellen Internetseite für den Arzt beziehungsweise das Hämophiliezentrum zur Online-Überwachung der gesamten Daten.
  • Das „Self-Service-Portal für Patienten“ ermöglicht es dem Patienten selbst, sein Tagebuch vollständig einzusehen und gegebenenfalls Korrekturen vorzunehmen. Zudem bietet das Portal Download- und Archivierungsfunktionen.

Die Nutzung der Plattform ist für registrierte Patienten und Hämophiliezentren kostenfrei. Informationen beim Verein zur Förderung der Telemedizin in der Hämostaseologie e.V. unter: www.vfth.org. EB

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