ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2013Arzt-Patienten-Beziehung: Eine Frage des Respekts!

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Arzt-Patienten-Beziehung: Eine Frage des Respekts!

Dtsch Arztebl 2013; 110(47): [2]

Kutscher, Patric P.

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Fünf Tipps, mit den Patienten achtsam und wertschätzend umzugehen

Einfühlsam: Ärzte, die Patientengespräche mit Wertschätzung führen, haben gute Chancen, vom Patienten als glaubwürdige Problemlöser akzeptiert zu werden. Foto: picture alliance
Einfühlsam: Ärzte, die Patientengespräche mit Wertschätzung führen, haben gute Chancen, vom Patienten als glaubwürdige Problemlöser akzeptiert zu werden. Foto: picture alliance

Behandle den Patienten mit Respekt! Eine Standardforderung patientenorientierten Verhaltens – die im Alltag allerdings nicht immer so leicht umsetzbar ist. Es gibt Verhaltensweisen, mit denen der Arzt der Forderung nach Respekt nachkommen kann.

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Tipp 1

Für „respektlose“ Situationen sensibilisieren

Stress, Hektik, Aufregung, wenig Zeit, der nächste Unfallpatient, an zwei, drei Orten zugleich sein müssen, mehrere Patienten-, Kollegen- und Mitarbeiterfragen beantworten: Es gibt viele Situationen im Klinik- und Praxisalltag, die gerade jüngere und noch nicht so erfahrene Ärzte verleiten, ihren Expertenstatus gegenüber den Patienten einzusetzen. Dann werden Anliegen, die für den Patienten eine existenzielle Bedeutung haben, unwirsch, knapp und barsch beantwortet – oder gar nicht. Ohne es zu wollen, ohne böse Absicht, lässt der Arzt aufgrund der stressigen Situation den notwendigen Respekt vermissen.

Prof. Dr. med. Bernhard Brehm, Chefarzt für Innere Medizin, Marienhof Koblenz, empfiehlt daher: „Der Arzt sollte sich bewusstmachen, dass es gerade solche Situationen sind, in denen er einem Patienten vor den Kopf stoßen könnte, sich also dafür sensibilisieren. Dann besteht die Möglichkeit, dass er sich sagt: ‚Stopp, ich darf mich jetzt nicht als allwissender Experte darstellen, der keine Zeit für das Patientenanliegen hat.‘“

Tipp 2

In die Rolle des Patienten schlüpfen

Besonders herausfordernd wird der respektvolle Umgang, wenn der Patient es dem Arzt schwermacht, ihm wertschätzend gegenüberzutreten. Das ist etwa der Fall, wenn der Patient sich nicht an notwendige therapeutische Maßnahmen hält oder dem Arzt vorwirft, ihn nachlässig zu behandeln.

In dieser heiklen Situation wertschätzend zu agieren, verlangt ein hohes Maß an empathischer Kompetenz: „Wie bringe ich dem schwierigen Patienten den angemessenen Respekt entgegen, selbst wenn ich das Gespräch aufgrund seines Verhaltens am liebsten beenden würde?“ Hier hilft es, sich in die Rolle des Patienten zu begeben und aus seiner Perspektive zu fragen, warum er sich so und nicht anders verhält. „Der Arzt begibt sich mit dem Patienten auf Augenhöhe“, führt Brehm aus. „So kommt er zum Beispiel zu dem Ergebnis, dass der Patient Angst vor der anstehenden Operation/Intervention hat und sich darum etwas zögerlich verhält. Der Arzt kann dann respektvoller und wertschätzender mit dem Patienten kommunizieren und agieren, um die Ängste zu mildern, um so dem Patienten eine Brücke für die helfende Therapie zu bauen.“

Tipp 3

Gefühlswelt des Patienten betreten

Jenes „Sich-auf-Augenhöhe-begeben“ ist ein probates Mittel für den Arzt, grundsätzlich eine respektvoll-wertschätzende Haltung im Umgang mit dem Patienten einzunehmen. Wenn es ihm gelingt, sich in dessen Gefühlswelt zu versetzen, kann er ihm besser zuhören, weil er weiß, dass er einer belastenden Situation ausgesetzt ist. Wohl jeder Arzt war und ist auch mal Patient – dieser Gedanke mag ihn befähigen, die Emotionen nachzuvollziehen, die sein Patient gerade durchlebt.

Der große Vorteil: Patienten wollen vor allem einen Arzt, der ihnen zuhört, der sie ernst nimmt, der empathisch nachfühlt, was sie gerade durchmachen. Und dann fühlen sie sich wahrhaft respektvoll behandelt.

Natürlich: Es ist nicht möglich, mit jedem Patienten dessen Gefühlswelt zu teilen. Das wäre für den Arzt eine zu große Belastung und würde ihn wohl überfordern. Aber vielleicht findet er den goldenen Mittelweg und ist in der Lage, ein gewisses Maß an Anteilnahme zu zeigen.

Tipp 4

Respektregeln aufstellen

Es gibt weitere Verhaltensweisen und Prinzipien, die dazu beitragen, respektvoll mit anderen Menschen umzugehen. Brehm vertritt die Auffassung: „Wer mit dem Patienten respektvoll kommunizieren will, muss dafür Zeit investieren. Fragen stellen, zuhören, Feedback geben, den Patienten verstehen wollen – das braucht seine Zeit. Und auch wenn es im hektischen Alltag schwierig ist: Ein Arzt sollte sich wo immer möglich die Zeit nehmen, sich auf den Patienten einzulassen.“

Dazu gehört, dass der Arzt vor allem bei heikel-diffizilen Gesprächsthemen mit dem Patienten eine ruhige Zone aufsucht, etwa einen Raum, in dem ein ungestörtes Gespräch möglich ist. Eine Nachricht, zumal eine schlechte, „zwischen Tür und Angel“ oder in Gegenwart anderer Patienten zu überbringen, wird vom Patienten zu Recht als respektloses Verhalten gewertet.

Tipp 5

Respektvollen Umgang trainieren und Menschenbild hinterfragen

Der respektvolle Umgang kann im Team trainiert werden: Indem sich die Ärzte untereinander mit Wertschätzung begegnen und diese Wertschätzung auch gegenüber den Mitarbeitern, Schwestern und Pflegern an den Tag legen, bauen sie die Sensibilität und Kompetenz auf, diesen Respekt im Patientenkontakt zu zeigen.

Ärzte, die Patientengespräche mit ethisch legitimierten Grundsätzen sowie Respekt und Wertschätzung führen, haben gute Chancen, vom Patienten als glaubwürdige Problemlöser wahrgenommen zu werden. Allerdings: Wer von seiner Persönlichkeitsstruktur her grundsätzlich misstrauisch gegenüber anderen Menschen eingestellt ist und über ein negativ geprägtes Menschenbild verfügt, also stets davon ausgeht, der andere wolle ihm schaden, kann kaum eine respektvolle Haltung einnehmen. Darum sollte der Arzt gegebenenfalls sein Menschenbild hinterfragen und prüfen, inwiefern es notwendig ist, hier Veränderungen vorzunehmen. Brehm fasst dies so zusammen: „Der Mensch, der sich ändert, verändert sich nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere. Und dann wird ihm auch selbst viel mehr Wertschätzung und Respekt entgegengebracht.“

Patric P. Kutscher
MasterClass Education, Zellertal

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