ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2013Haftungsansprüche: Was in den Akten steht
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Im nächsten Jahr jährt sich zum zehnten Mal der Rückzug des Blockbusters Vioxx (Rofecoxib). Schwere kardiovaskuläre Komplikationen (insbesondere Herzinfarkte und Schlaganfälle) waren die Ursachen hierfür.

Wie der Artikel aussagt, sind in Deutschland viele Klagen gegen den Hersteller MSD aufgrund der Gesetzeslage abgewiesen worden, während die Patienten in den USA mit Milliarden von Dollar entschädigt wurden.

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Der Fall Vioxx ist jedoch nicht in Vergessenheit geraten. Dazu haben in den letzten Jahren auch Unterlagen beigetragen, die Merck & Co. bei Gerichtsverhandlungen in den USA vorlegen musste:

  • Madigan et al. berichten, dass von 1999 bis September 2004 in den USA Vioxx etwa 106,7 Millionen Mal verschrieben wurde; weltweit kamen noch viele Millionen Verschreibungen hinzu.

Es wird geschätzt, dass in dieser Zeit bei den Anwendern allein in den USA etwa 88 000 bis 140 000 schwerwiegende koronare Herzkrankheiten auftraten.

Wenn Vioxx 39 Monate früher, also im Juni 2001 (und die Daten sprechen dafür, dass Merck & Co. spätestens zu diesem Zeitpunkt die Risiken kannte) zurückgezogen worden wäre, hätten etwa 50 000 bis 79 000 dieser Fälle verhindert werden können.

  • Hinzu kommen, ebenfalls aus gerichtlichen Verfahren bezogene Angaben, dass Patienten aus der
    VIGOR-Studie, die nicht zusätzlich auch noch Corticosteroide einnahmen, keinerlei gastrointestinale Vorteile durch Vioxx hatten. Nicht nur die Patienten, sondern auch die wissenschaftliche Redlichkeit blieben hier auf der Strecke.

Das Nutzen-Schaden-Verhältnis von Vioxx ist jedenfalls eindeutig als negativ zu bewerten.

Erstaunlich ist in Deutschland zudem auch, dass MSD zwar auf eine Beurteilung „case by case“ Wert legt, sich die Gerichte aber oft nur sehr zögerlich dazu entscheiden, für jeden einzelnen Fall einen neutralen und unabhängigen Gutachter zu bestellen.

Literatur beim Verfasser

Prof Dr. Siegfried Ernst Miederer, 14163 Berlin

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