ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2013Nutzenbewertung von Krebsmedikamenten: Fachgesellschaft fordert mehr Transparenz

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Nutzenbewertung von Krebsmedikamenten: Fachgesellschaft fordert mehr Transparenz

Dtsch Arztebl 2013; 110(48): A-2293 / B-2017 / C-1953

Siegmund-Schultze, Nicola

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Das Krebsmedikament Bosutinib (Bosulif®), das zu den sogenannten „zielgerichteten Therapien“ gehört, wird vom Markt genommen. Der Hersteller Pfizer sieht nach eigenen Angaben keine Aussicht auf eine Einigung über einen angemessenen Erstattungsbetrag nach dem Arznei­mittel­markt­neuordnungs­gesetz (AMNOG). Die Verhandlungen seien fristgerecht abgebrochen worden, heißt es in einer Pressemitteilung von Pfizer. Bosutinib hatte im März dieses Jahres eine europaweite bedingte Zulassung für die Behandlung von vorbehandelten Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML, Philadelphia-Chromosom-positiv) erhalten. Bei einem anderen gezielten Medikament für Patienten mit CML, Ponatinib (Iclusig®), hatten die Zulassungsbehörden in Europa und den USA im Oktober vor schweren unerwünschten Wirkungen gewarnt.

Die beiden Ereignisse sind für die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) Anlass, einerseits auf einen Korrekturbedarf bei der Nutzenbewertung von Arzneimitteln hinzuweisen und andererseits den Umgang mit den neuen, gezielten Krebsmedikamenten zu überdenken. So fordert die Fachgesellschaft, alle Patienten, die mit Substanzen aus dieser Kategorie behandelt werden, sorgfältig und langfristig ärztlich zu überwachen, gerade auch bei seltenen Erkrankungen.

Bezüglich der Nutzenbewertung moniert der geschäftsführende Vorsitzende der DGHO, Prof. Dr. med. Mathias Freund aus Berlin, Patienten und Ärzte würden nicht ausreichend in den Prozess einbezogen. Für die frühe Phase würde sich die DGHO wünschen, dass ein unabhängiges Gremium medizinischer Experten sinnvolle Vergleichstherapien und Endpunkte festlegen sollte. Die Nutzenbewertung sollte in allen Schritten transparent sein, einschließlich der Rabattverhandlungen, und Medikamentenpreise sollten flexibel angepasst werden, orientiert am Bedarf und den Entwicklungskosten der Arzneimittel. nsi

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