ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2013Altersabhängige Makuladegeneration: Genotyp für Effekte von oralem VEGF-Inhibitor relevant

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Altersabhängige Makuladegeneration: Genotyp für Effekte von oralem VEGF-Inhibitor relevant

Dtsch Arztebl 2013; 110(48): A-2322 / B-2042 / C-1975

Gerste, Ronald D.

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Die Therapie der feuchten Form der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) durch intravitreal injizierte VEGF-Inhibitoren (zugelassen für diese Indikation sind Lucentis® und Eylea®) ist in kurzer Zeit zum Goldstandard geworden und hat bei vielen Patienten nicht nur den weiteren Funktionsverfall aufgehalten, sondern sogar zu Verbesserungen der Sehschärfe geführt – vor etwa sieben, acht Jahren noch undenkbar in der Ophthalmologie. Die Belastung für die meist älteren Patienten ist durch die regelmäßigen, oft in monatlichem Rhythmus erfolgenden Injektionen hoch. Außerdem erfordert der Eingriff sterile OP-Bedingungen.

Ein Ausweg aus diesem Dilemma könnte die orale Darreichungsform sein. Ein amerikanisch-britisches Forscherteam hat jetzt die Ergebnisse einer Open-label-Phase IIa-Studie mit oral verabreichtem Pazopanib vorgelegt. Das Medikament, das den VEGF-Pathway auf der Ebene der Rezeptor-Tyrosinkinase inhibiert, wird in der Onkologie in einer Dosierung von 800 mg täglich gegeben. In der neuen Studie wurde zur Ermittlung des Sicherheitsprofils einerseits bei 72 gesunden Probanden Pazopanib entweder in einer Einzeldosis (5 mg bis 30 mg) gegeben oder einmal täglich für 2 Wochen. 15 Patienten mit feuchter AMD (Durchschnittsalter 74 Jahre) nahmen vier Wochen lang täglich 15 mg Pazopanib ein. Das Medikament wurde gut vertragen; ein gesunder Proband äußerte Bauch- und Kopfschmerzen; bei zwei Teilnehmern kam es zu Anstiegen der Aspartat-Aminotransferase- und der Alanin-Aminotransferase-Spiegel. 9 der 15 Patienten hatten deutliche Visusverbesserungen: eine durchschnittliche Zunahme um 8 Buchstaben auf den ETDRS-Sehtesttafeln und eine Reduktion der zentralen Netzhautdicke – ein Hinweis auf den Rückgang der Flüssigkeitseinlagerung – um durchschnittlich 51 µm. Bei den anderen sechs Patienten hingegen erfolgte wegen Befundverschlechterung eine „rescue therapy“ mit intravitreal injizierten VEGF-Hemmern.

Optimal korrigierter Visus 28 Tage nach Therapie mit Pazopanib bei Patienten mit T-Allel im Gen des Komplementfaktors H (Genotyp CT/TT) oder ohne T-Allel (Genotyp CC)
Optimal korrigierter Visus 28 Tage nach Therapie mit Pazopanib bei Patienten mit T-Allel im Gen des Komplementfaktors H (Genotyp CT/TT) oder ohne T-Allel (Genotyp CC)
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Optimal korrigierter Visus 28 Tage nach Therapie mit Pazopanib bei Patienten mit T-Allel im Gen des Komplementfaktors H (Genotyp CT/TT) oder ohne T-Allel (Genotyp CC)

Fazit: Bei altersabhängiger Makuladegeneration war der orale VEGF-Inhibitor Pazopanib bei Patienten mit T-Allel im Gen für die Komplementkomponente H (Y402H T) wirkungsvoll: Teilnehmer dieses Genotyps erzielten einen überdurchschnittlich hohen Visusgewinn. Das seien erste Daten mit einem kleinen Patientenkollektiv, kommentieren die Autoren. Weitere Studien dürften sich auf Patienten diesen Genotyps fokussieren: Er tritt bei etwa 70 % der europäischen Bevölkerung auf.

Dr. med. Ronald D. Gerste

McLaughlin MM, et al.: Initial exploration of oral pazopanib in healthy participants and patients with age-related macular degeneration. JAMA Ophthalmol 2013; doi: 10.1001/jamaophthalmol.2013.5002 MEDLINE

Optimal korrigierter Visus 28 Tage nach Therapie mit Pazopanib bei Patienten mit T-Allel im Gen des Komplementfaktors H (Genotyp CT/TT) oder ohne T-Allel (Genotyp CC)
Optimal korrigierter Visus 28 Tage nach Therapie mit Pazopanib bei Patienten mit T-Allel im Gen des Komplementfaktors H (Genotyp CT/TT) oder ohne T-Allel (Genotyp CC)
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Optimal korrigierter Visus 28 Tage nach Therapie mit Pazopanib bei Patienten mit T-Allel im Gen des Komplementfaktors H (Genotyp CT/TT) oder ohne T-Allel (Genotyp CC)

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