ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2013Deutscher Zahnärztetag 2013: Die Selbstverwaltung stärken

POLITIK

Deutscher Zahnärztetag 2013: Die Selbstverwaltung stärken

Dtsch Arztebl 2013; 110(48): A-2306 / B-2030 / C-1965

Clade, Harald

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Die Zahnärzteschaft plädiert für eine reformierte Dualistik von gesetzlicher und privater Kran­ken­ver­siche­rung.

Die Zahnärzteschaft hat während des Deutschen Zahnärztetages in Frankfurt/Main an die Bundesregierung appelliert, das duale Gesundheitssicherungssystem aus gesetzlicher und privater Kran­ken­ver­siche­rung (GKV, PKV) zu stabilisieren und systemgerecht zukunftssicher zu gestalten. Der demografische Wandel und die damit verbundenen Herausforderungen an die Gesundheitssicherung würden auch in den nächsten Jahren die Reformnotwendigkeit im Gesundheitswesen prägen. Dies könne aber nur in einem reformierten System geschehen, in dem die gesetzliche und private Kran­ken­ver­siche­rung als zwei selbstständige Säulen der Risikoabdeckung koexistierten und die PKV bei der Zusatzsicherung ein ausreichendes Terrain behalte. Der Präsident der Bundeszahnärztekammer, Dr. med. dent. Peter Engel, betonte, dass verstärkt sowohl soziale als auch wettbewerbliche Strukturelemente in beiden Säulen der Gesundheitssicherung implementiert werden müssten, um überlebensfähig zu bleiben.

Der Zahnärztetag bot der Politik eine partnerschaftliche Kooperation bei der Lösung dringender Zukunftsaufgaben an. Allerdings dürfte der Zahnarzt nicht weiter mit bürokratischen Auflagen und praxisfernen Normen reglementiert werden. Nur wenn eine freie Berufsausübung garantiert werde, könne auch die Selbstgestaltungskraft der Selbstverwaltung nutzbringend in den Reformprozess eingebracht werden. Das Zahnarzt-Patienten-Verhältnis dürfe nicht durch eine juristische Übersteuerung gestört und das Berufsrecht nicht weiter „versozialrechtlicht“ werden. Kammerpräsident Engel will seine Forderungen nicht als eine Aufforderung zu einem „nutzlosen Laisser-faire“ missverstanden wissen. Im Gegenteil: Der Staat solle, falls erforderlich, gezielt eingreifen. Allerdings nur dort, wo etwas nicht funktioniere oder wo etwas gangbar gemacht werden könne. Man sei stolz, dass die Selbstverwaltungseinrichtungen funktionierten. Allerdings müssen sie Gestaltungsfreiheit und ausreichende Beinfreiheit haben. „Es ist Aufgabe des Staates, die Selbstverwaltung zu stärken – strukturell und politisch“, so Engel.

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Kassenzahnärzte: Ausbau der Prävention

Der in Frankfurt bis Ende 2016 neu gewählte Vorsitzende des Vorstandes der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), Dr. med. dent. Wolfgang Eßer, bezeichnete die Wiederherstellung der Wertschätzung der Heilberufe in Politik und Gesellschaft als wichtigste Aufgabe seiner Körperschaft. Wenn Funktionäre der Krankenkassen ebenso wie einige gegen die Heilberufe voreingenommene Politiker weiter polemisierten und die Öffentlichkeit falsch informierten, sei dies einem guten Zahnarzt-Patienten-Verhältnis abträglich. Dadurch werde es schwerer, junge Menschen für diesen verantwortungsvollen Beruf zu gewinnen. Freiberuflichkeit der Vertragszahnärzteschaft und deren volle Einstandspflicht erforderten auch Chancen und mehr Planungssicherheit für die zahnärztlichen Praxen. Die Besonderheiten der vertragszahnärztlichen Versorgung müssten von der Selbstverwaltung anerkannt werden, insbesondere im Gemeinsamen Bundes­aus­schuss.

Als zentrale Aufgabe der Körperschaften benannte Eßer den Ausbau der zahnmedizinischen Prävention. Ziel müsse es sein, Versorgungsdefizite frühzeitig zu erkennen und die Betreuung passgenau auf den jeweiligen Bedarf von Alters- und Risikogruppen auszurichten. Als Erfolg bezeichnete Eßer die im April wirksam gewordene verbesserte Honorierung bei der Versorgung von Menschen mit Behinderungen und der aufsuchenden Betreuung von Patienten in Altenheimen. In der Vergütungsordnung BEMA sind dazu zwei neue Leistungspositionen mit Zuschlagbeträgen bei der Behandlung dieses Personenkreises eingeführt worden. Zurzeit verhandelt die KZBV mit den Kassen über eine bessere Honorierung bei einer aufsuchenden Versorgung speziell von Patienten in Pflegeheimen. Dabei sollen die Pflegeeinrichtungen und Zahnärzte Kooperationsverträge schließen und im Rahmen dieser Verträge Zusatzleistungen für die Pflegebedürftigen abrufen können.

Ganz oben auf der Agenda stehen auch die Bekämpfung der frühkindlichen Karies und der Parodontitis. Ziel der KZBV und der Bundeszahnärztekammer ist es, im Januar 2014 auf Selbstverwaltungsebene die Richtlinien für die kindlichen Früherkennungsuntersuchungen zu akzentuieren und auf den Unterversorgungstatbestand auszurichten. Dabei sollen drei neue Positionen für die Früherkennung von Karies in den ersten drei Lebensjahren eingeführt werden. Außerdem soll festgelegt werden, dass es für den Kinderarzt eine Verweisungspflicht an den Zahnarzt geben solle. Diese soll an die U5 im Untersuchungsheft angeschlossen werden, die zwischen dem sechsten und siebten Lebensjahr durchgeführt wird. Zudem dringt die Zahnärzteschaft darauf, die Kassenpflichtleistungen bei Parodontalerkrankungen zu verbessern.

Dr. rer. pol. Harald Clade

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