ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2013Ayurveda: Keine Sonderregeln
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Salutogenese bedeutet in erster Linie das Gegenteil von Pathogenese und somit einen Perspektivwechsel für Mediziner(innen) . . .

Ohne es zu wissen, wenden viele Kolleg(inn)en bereits salutogenetische Prinzipien an. Dafür benötigt man kein Medizinsystem mit „Jahrtausende alter Tradition“. Die Autoren machen in ihrem Artikel nicht deutlich, welchen Mehrwert Ayurveda in der medizinischen Praxis bieten soll. Auch der Aderlass hatte eine lange Tradition, ist jedoch heute nur noch bei sehr wenigen Erkrankungen indiziert. Ähnliches gilt für andere ausleitende Verfahren, sie waren in der „traditionellen europäischen Heilkunde“ lange probates Mittel gegen unterschiedlichste Leiden. Heute fristen sie ein Nischendasein. All diese Therapieformen hielten einer systematischen Untersuchung in den meisten Fällen nicht stand. Wo sie es taten, haben sie ihren Platz in der medizinischen Praxis erhalten. Zum Teil vorübergehend, zum Teil bis heute. Es ist nichts dagegen einzuwenden, auch die Methoden des Ayurveda diesen Tests zu unterziehen, um zu sehen, was dann übrig bleibt. Die Autoren bauen jedoch bereits argumentativ gegen eine wissenschaftsbasierte Überprüfung vor. „Für eine wissensbasierte Ayurveda des 21. Jahrhunderts gilt es, diese wissenschaftliche Überprüfung nicht reduktionistisch (sic!) anzugehen, sondern die therapeutische Komplexität in der wissenschaftlichen Überprüfung zu bewahren; . . . .“ Das bedeutet letztlich, Sonderregeln für Verfahren der Ayurveda zu schaffen, weil bereits jetzt abzusehen ist, dass sie hohe Standards von Evidenz nicht erfüllen werden. Durch den Binnenkonsens haben es bereits Verfahren der traditionellen und nicht so traditionellen europäischen Heilkunde geschafft, die Standards evidenzbasierter Medizin zu unterlaufen. Brauchen wir wirklich noch einen weiteren Spieler auf dem Feld, um Patienten eine Vielfalt von Möglichkeiten vorzugaukeln, die es in der Realität nicht gibt? Wenn Kräuter und Tees der ayurvedischen Medizin Standardtherapien gleichwertig oder überlegen sind, werden sie ihren Platz in der Praxis erhalten. Dafür müssen sie jedoch dieselben Hürden überspringen wie diese. Schaffen sie das nicht, trifft man sie beim nächsten Wellnessurlaub wieder . . .

Jan Oude-Aost, 01277 Dresden

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