ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2013Randnotiz: Dicke Luft um Liberty Award

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Randnotiz: Dicke Luft um Liberty Award

Dtsch Arztebl 2013; 110(48): A-2293 / B-2017 / C-1953

Ankowitsch, Eugenie

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Die meisten Journalistenpreise werden von Interessenverbänden und Unternehmen gestiftet. So verleiht der Tabakkonzern Reemtsma seit 2007 den „Liberty Award“. Er soll Journalisten würdigen, „die Außergewöhnliches für die Freiheit leisten“. In der Jury sitzen namhafte Medienvertreter, darunter Claudia Nothelle, Programmdirektorin des Rundfunks Berlin Brandenburg. In einer Stellungnahme zeigte sich Nothelle zwar einsichtig, dass Firmen mit Journalistenpreisen „nicht vor allem Gutes tun wollen, sondern auch ihr Image pflegen“. Sie sieht aber ihre journalistische Integrität trotz der Mitgliedschaft in der Reemtsma-Jury gewahrt.

Jeder Journalist muss selbst entscheiden, ob und für welche Unternehmen er sich engagiert. Allerdings ist Nothelle nicht nur Journalistin, sondern auch Repräsentantin eines öffentlich-rechtlichen Senders. Da sollte man besonders sensibel mit PR-Kontakten sein. Im Fall Nothelle besteht außerdem ein weiterer Interessenkonflikt: Sie steht dem Kuratorium der Krebsstiftung Berlin vor.

Forum Rauchfrei, das Aktionsbündnis Nichtrauchen und die Bundesvereinigung Prävention und Gesund­heits­förder­ung haben wiederholt beanstandet, dass ein Sitz in der Jury eines von der Tabakindustrie gestifteten Preises nicht mit einem Engagement in einer Krebsgesellschaft vereinbar sei.

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Nothelle ist übrigens nicht das einzige Kuratoriumsmitglied, das in der Jury des Liberty Awards sitzt, sondern auch Fernsehproduzent Gero von Boehm. Die Berliner Krebsgesellschaft sollte das Engagement der beiden Kuratoriumsmitglieder in der Jury des Reemtsma Awards nicht akzeptieren. Sonst gefährdet sie die eigene Glaubwürdigkeit.

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