ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2013Resistente HI-Viren werden auch von untherapierten übertragen

AKTUELL: Akut

Resistente HI-Viren werden auch von untherapierten übertragen

Dtsch Arztebl 2013; 110(48): A-2296 / B-2018 / C-1954

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

HIV-Infizierte, die noch keine antiretrovirale Therapie erhalten haben, sind vergleichsweise häufig die Quelle für Neuinfektionen mit HI-Viren mit Medikamentenresistenzmutationen. Zu diesem Schluss kommt eine molekular-epidemiologische Studie aus der Schweiz (Clinical Infectious Diseases, 2013; doi: 10.1093/cid/cit694).

Die schweizerische HIV-Kohorte enthält Daten von allen Kliniken, die sich in der Schweiz auf die Behandlung von HIV-Infizierten spezialisiert haben, seit dem Jahr 1988. Dokumentiert werden auch die Ergebnisse der Resistenzbestimmungen im Rahmen der Auswahl der am besten für die Therapie geeigneten Medikamente.

Wissenschaftler vom Universitätsspital Zürich haben aus der Schweizer Kohortenstudie die Daten von 1 674 nicht antiretroviral behandelten (ART-naive infizierte) Männern ausgewertet, die Sex mit Männern haben. In dieser Gruppe waren 140 Männer (8,4 Prozent) mit resistenten Viren infiziert. Bei 61,4 Prozent dieser mit primär resistenten Erregern Neuinfizierten fand man bestimmte Gencluster, zum Beispiel bei Viren mit L90M-Mutationen.

Anzeige

Durch genetische Analysen der Viren konnten die Forscher in vielen Fällen die Übertragungswege rekonstruieren. Ihren Schätzungen zufolge waren ART-naive Infizierte zu 85 Prozent Transmissionsquelle bei jener Gruppe von Neuinfizierten, bei der zum Zeitpunkt der ersten Diagnose Viren mit Resistenzen nachgewiesen wurden. Die Autoren folgern, dass Viren mit bestimmten Resistenzmutationen länger in Hochrisikogruppen zirkulieren, auch wenn das Medikament, das den Selektionsdruck ausgelöst hat, abgesetzt wurde.

„In Deutschland wurden im vergangenen Jahr bei 11,8 Prozent der HIV-Neudiagnosen primär resistente Viren gefunden“, sagte Dr. rer. nat. Claudia Kücherer vom Robert-Koch-Institut in Berlin zum Deutschen Ärzteblatt. Die Daten stammten aus der seit 1997 laufenden HIV-Serokonverter-Studie. „Auch bei Neuinfizierten in Deutschland, die sich frisch mit resistenten Viren infiziert haben, handelt es sich vergleichsweise häufig um Resistenzen gegen Nukleosid- oder Nukleotid-Analoga. Ein Teil der resistenten Viren persistiert lange in untherapierten Infizierten. Verwandtschaftsanalysen zeigen, dass übertragene resistente Viren auch weiter übertragen werden, vermutlich von Patienten, die nicht wissen, dass sie infiziert sind“, sagte Kücherer. Seit 2002 liege die Rate der Primärresistenzen bei den Neuinfektionen zwischen zehn und 15 Prozent. nsi

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema