ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2013Börsebius: König Midas der Börse

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Börsebius: König Midas der Börse

Dtsch Arztebl 2013; 110(48): A-2336 / B-2056 / C-1988

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Wenn Sie heute einen Wertpapierexperten fragen, welcher Fonds unbedingt kaufenswert sei, wird er Ihnen mit ziemlicher Sicherheit den „Carmignac Patrimoine“ nennen. Der Fonds hat so einen exzellenten Ruf, dass für den Fall, dass die Empfehlung schiefgeht, der Tippgeber nicht scheel angeschaut werden kann.

Es ist in der Tat eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, die Edouard Carmignac inzwischen vorzuweisen hat. Noch vor wenigen Jahren war er bloß ein kleiner Vermögensverwalter, der aber in der Folgezeit vor allem mit seinem Fonds Carmignac Patrimoine extrem erfolgreich war. Die Anlageerfolge des Franzosen sprachen sich in der Finanzwelt schnell herum, ein Nimbus war geboren, quasi der König Midas der Finanzwelt, selbstkreiert. Alles, was Edouard anpackte, wurde zu Gold, und diese Story sprach sich herum. Vor allem kam der Fonds im Krisenjahr 2008 ohne Verluste durch die Turbulenzen der Finanzmärkte. So kam es, dass die Anleger den Patrimoine mit Kapital überschütteten – auf dass Edouard Carmignac es gehörig vermehren möge.

Doch dieser begierige Wunsch vieler Renditejäger geriet für Herrn Edouard Carmignac zur Last. Der Mischfonds Patrimoine, mit einem Vermögen von mittlerweile 28 Milliarden Euro, hatte nunmehr alleine schon wegen seiner schieren Größe ein spezielles Anlageproblem. Wo viel Geld anzulegen ist, kann auch viel falsch gemacht werden. Mit anderen Worten: Die frühere Genialität und Flexibilität bei den Anlageideen ist so nicht mehr machbar. Hinzu kommt die Tatsache, dass, wenn dich andere für den Größten halten, Größenwahn droht. Die Fondsmanager unter Edouard Carmignac verzockten sich ein ums andere Mal und verloren bei ihren Wetten auf Goldminen und Schwellenländer einige Milliarden.

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So verwundert es nicht, dass der Carmignac Patrimoine im Zwölfmonatsvergleich unter 583 Mischfonds nur Rang 460 belegt. Mit einer Performance von 2,38 Prozent gibt es zum Jubeln wahrlich keinen Grund. Kritische Augen mögen jetzt vielleicht auch zur Kenntnis nehmen, dass mit einem Ausgabeaufschlag von vier Prozent und einer jährlichen Managementgebühr von 1,5 Prozent der Fonds nicht gerade günstig bepreist ist. Früher spielte das vielleicht keine Rolle. Heute aber durchaus.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“

Wie an jedem 1. Samstag des Monats, können Sie auch am 7. Dezember 2013 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (0221 985480-20). Die kostenlose Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.

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