ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2013Heidelberger Pathologie: Die Innenwelten von Mensch und Natur

KULTUR

Heidelberger Pathologie: Die Innenwelten von Mensch und Natur

Dtsch Arztebl 2013; 110(48): A-2331 / B-2051 / C-1983

Bördlein, Ingeborg

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Dauerausstellung „Art und Science“ am Pathologischen Institut in Heidelberg macht deutlich, dass Kunst und Naturwissenschaft keine Gegensätze sein müssen.

Dieses handkolorierte Bild auf der Basis der Rasterelektronenmikroskopie zeigt die riesige Variabilität der Bakterien in den menschlichen Exkrementen. Foto: Martin Oeggerli, kindly supported by School of Life Sciences, FHNW
Dieses handkolorierte Bild auf der Basis der Rasterelektronenmikroskopie zeigt die riesige Variabilität der Bakterien in den menschlichen Exkrementen. Foto: Martin Oeggerli, kindly supported by School of Life Sciences, FHNW

Die Pathologie ist nicht nur mit Tod, Leichenöffnung und üblen Gerüchen assoziiert, sondern kann auch eine bemerkenswerte Ästhetik entfalten“, sagt der Direktor des Pathologischen Instituts am Universitätsklinikum Heidelberg, Prof. Dr. med. Peter Schirmacher. Sein Sinn für das Schöne am pathologischen Präparat hat den Heidelberger Pathologen dazu bewogen, eine Bildersammlung des Schweizer Molekularbiologen und Wissenschaftsfotografen Dr. Martin Oeggerli an sein Institut nach Heidelberg zu holen. Beide Naturwissenschaftler haben eines gemeinsam: den Blick für die Ästhetik dessen, was mit bloßem Auge nicht sichtbar ist. Der mehrfach preisgekrönte Fotograf, der in Basel arbeitet, eröffnet einen faszinierenden Blick in den Mikrokosmos der Innenwelten von Mensch und Natur. Die Dauerausstellung „Art und Science“ am Pathologischen Institut in Heidelberg macht deutlich, dass Kunst und Naturwissenschaft keine Gegensätze sein müssen. Zudem können künstlerisch verfremdete Aufnahmen auf der Basis der Rasterelektronenmikroskopie auch einen didaktischen Wert haben.

Anzeige

Während seiner Doktorarbeit im Fach Molekularbiologie arbeitete Oeggerli an der Uni Basel mit dem Rasterelektronenmikroskop (REM) und war fasziniert von der enormen Tiefenschärfe, die damit durch die 500 000-fache Vergrößerung erreicht werden kann. Diese Lupenfunktion nutzte der Schweizer, der schon immer gern zeichnete und später zur Fotografie überging, um seine wissenschaftlichen Objekte zu Kunstobjekten zu gestalten.

Faszinierende Aufnahmen aus dem Mikrokosmos

Dahinter steckt ein enormer Arbeitsaufwand, wie er bei der Ausstellungseröffnung in Heidelberg erklärt hat: Die Präparate müssen aufwendig vorbereitet werden, bevor sie mikroskopiert werden können, das heißt, sie müssen fixiert, entwässert, getrocknet und mit einer hauchdünnen Edelmetallschicht bedampft werden. Sie werden dann im Hochvakuum analysiert und mit dem Elektronenstrahl Pixel für Pixel und Zeile für Zeile – wie in einem Raster – abgetastet.

Kein anderes Verfahren kann die topographischen Strukturen der Kleinstobjekte so stark vergrößert darstellen wie das Rasterelektronenmikroskop. Was allerdings fehlt, ist die Farbe, denn mit dem REM können nur Schwarz-Weiß-Bilder dargestellt werden. Und hier wird Oeggerli als Künstler tätig: Er koloriert die Bilder im Nachhinein per Hand oder am Computer.

Die Farben sollen das Auge des Betrachters zunächst einfach zum Hinsehen verlocken. Andererseits geht es Oeggerli auch darum, wissenschaftlich interessante Aspekte mit einer bestimmten Farbgebung hervorzuheben, so dass der Betrachter diese nicht übersieht. Beim Anschauen der großformatigen Bilder auf Acrylplatten wird die perfekte Symbiose von Ästhetik und wissenschaftlicher Aussagekraft deutlich: So erscheint eine invasive Krebszelle, die sich schneller teilt als eine gesunde und in das umgebende Zellgewebe eindringt, wie eine Eiskugel, die von feinen filigranen Strukturen umgeben ist.

Für seine faszinierenden Aufnahmen aus dem Mikrokosmos hat sich der Schweizer Molekularbiologe mit dem Blick für das Kleine und Feine – er selbst nennt sich Micronaut – weltweit einen ausgezeichneten Ruf verschafft. Die Ausstellung am Pathologischen Institut in Heidelberg ist nach Voranmeldung (Telefon: 06221 5639186; katrin. woll@med.uni-heidelberg) zu besichtigen.

Ingeborg Bördlein

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema