ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2013Schwer kontrollierbare Hypertonie: Lohnt sich das Telemonitoring?

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Schwer kontrollierbare Hypertonie: Lohnt sich das Telemonitoring?

Dtsch Arztebl 2013; 110(48): A-2320 / B-2040 / C-1974

Vetter, Christine

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Die Bedeutung des Telemonitorings einschließlich der ökonomischen Konsequenzen hat eine randomisierte Multicenterstudie bei 401 Patienten mit unkontrollierter Hypertonie (≥ 135/85 mmHg und ≤ 210/135 mmHg), die ihren Blutdruck selbst zu Hause gemessen haben, untersucht. Die Patienten wurden geschult, es wurde ein Zielblutdruck von < 135/85 mmHg vereinbart, die gemessenen Blutdruckwerte sechs Monate lang via Internet an einen Arzt oder eine eigens geschulte Krankenschwester übermittelt, die im Bedarfsfall um Rat gefragt werden konnte. Ein Kontrollkollektiv wurde wie bislang üblich betreut. Der Blutdruck reduzierte sich in beiden Gruppen, wobei der systolische Blutdruck (primärer Endpunkt) in der Interventionsgruppe von 146,0 auf 140,0 mmHg zurückging und in der Kontrollgruppe von 146,5 auf 144,3 mmHg. Nach sechs Monaten zeigte sich zwischen den Gruppen ein deutlicher Unterschied mit einer im Mittel um 4,3 mmHg stärkeren Reduktion des systolischen Blutdrucks in der Interventionsgruppe (95-%-Konfidenzintervall [KI] 2,0– 6,5; p = 0,0002) und auch des diastolischen Blutdrucks um 2,3 mm Hg (95-%-KI 0,9–3,6, p = 0,001).

In der Interventionsgruppe wurde öfter ein Arzt (95-%-KI 0,5–1,6, p = 0,0002) oder eine Krankenschwester (95-%-KI 0,1– 1,0, p = 0,01) konsultiert, und es kam signifikant (p < 0,001) häufiger zu einer Steigerung der Zahl der Antihypertensiva. Auch allgemein wurde die Behandlungsintensität in der Interventionsgruppe stärker gesteigert als in der Kontrollgruppe mit einer zunehmenden Dosis der Antihypertensiva bei 39 % der Patienten unter dem Telemonitoring gegenüber 12 % in der konventionell betreuten Gruppe (p = 0,0003).

Fazit: Die Studie habe ein gutes Design, das der Fragestellung gerecht werde, meint Prof. Dr. med. Norbert Donner-Banzhoff, Allgemeinmedizin, Präventive und Rehabilitative Medizin, Uniklinik Marburg. Allerdings setze die Umsetzung des beschriebenen Settings in die Praxis eine adäquate Schulung der Patienten voraus und gehe mit einem gegenüber der herkömmlichen Therapie deutlich erhöhten Betreuungsaufwand einher. Die klinische Relevanz werde dadurch eingeschränkt, dass die Blutdruckselbstmessung in Deutschland gut etabliert ist. Und es bleibe offen, wodurch die bessere Blutdruckeinstellung in der Interventionsgruppe erwirkt wurde: War tatsächlich das Telemonitoring entscheidend? Christine Vetter

McKinstry B, et al.: Telemonitoring based service redesign for the management of uncontrolled hypertension: multicenter randomized controlled trial, BMJ 2013; doi: 10.1136/bmj.f3030 MEDLINE

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