ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2013Leslie Baruch Brent: Vor 75 Jahren aus Deutschland geflohen

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Leslie Baruch Brent: Vor 75 Jahren aus Deutschland geflohen

Dtsch Arztebl 2013; 110(48): A-2329 / B-2049 / C-1981

Siegmund-Schultze, Nicola

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Leslie Baruch Brent, Foto: BWV-Verlag
Leslie Baruch Brent, Foto: BWV-Verlag

Als 1960 der Medizinnobelpreis für die Entdeckung der erworbenen immunologischen Toleranz vergeben worden war, schrieb einer der beiden Preisträger, der britische Zoologe und Immunologe Peter Medawar, einen Brief an die Familie Brent in London. Ein Scheck lag bei, Teil des Preisgelds. Anders als das Nobelpreiskomitee entschieden habe, hätte Leslie Brent, sein ehemaliger Schüler, beteiligt werden sollen, schrieb Medawar. Brent habe die bahnbrechende These wesentlich entwickelt.

Leslie Brent (88) hat in Großbritannien Zoologie studiert. Von 1969 bis 1990 war er Professor für Immunologie in der Abteilung Transplantationsmedizin des St. Mary’s Hospital London. Er gehört aufgrund wegweisender Forschungen über Immunrejektionen zu den Pionieren der Transplantationsmedizin.

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Nach einem Interview im Jahr 1998 kam Brent etwas unvermittelt auf sein Geburtsland zu sprechen: Deutschland. Er sei Jude, geboren 1925 in Köslin in Pommern, heute Koszalin. Sein Geburtsname sei Lothar Baruch. Er hat ihn abgelegt anlässlich des Wehrdiensts in der britischen Armee (1943–1947) und später den Mittelnamen ergänzt.

Ende 1936 hatten die besorgten Eltern ihn wegen antisemitischer Schikanen in ein jüdisches Waisenhaus nach Berlin geschickt. Im November 1938 brannten Synagogen, jüdische Häuser und Geschäfte in Deutschland, der 13-Jährige reiste mit dem ersten Kindertransport nach Großbritannien. Eltern und Schwester hat er nicht wiedergesehen. Sie wurden 1942 deportiert und bei Riga erschossen. Nicola Siegmund-Schultze

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