ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2013Krankenhäuser: Jedes zweite Haus macht Verluste

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Krankenhäuser: Jedes zweite Haus macht Verluste

Dtsch Arztebl 2013; 110(48): A-2297 / B-2019 / C-1955

Flintrop, Jens

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Die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser hat sich dramatisch verschlechtert. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft appelliert an Bund und Länder, das Problem gemeinsam anzugehen.

Es spreche für einen schweren Systemfehler, wenn mehr als die Hälfte der Krankenhäuser rote Zahlen schreibe, kommentierte Alfred Dänzer zum Auftakt des 36. Deutschen Krankenhaustages die zeitgleich veröffentlichten Ergebnisse des Krankenhaus-Barometers 2013: „Das ist ein absoluter Tiefpunkt, eine dramatische Verschlechterung zum Vorjahr und beweist, dass unser Kampf für finanzielle Nachbesserungen voll und ganz berechtigt war und weitergehen muss“, sagte der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) am 20. November in Düsseldorf.

Dem Krankenhaus-Barometer zufolge machte 2012 jedes zweite Allgemeinkrankenhaus (51 Prozent) Verluste. 2011 hatten „nur“ 31 Prozent einen Jahresfehlbetrag ausgewiesen. Auch die Erwartungen für 2014 sind pessimistisch: Nur 22 Prozent rechnen mit einer Verbesserung, dagegen 39 Prozent mit einer Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Situation. Krankenhäuser mittlerer Größe stehen tendenziell besser da, kleine Krankenhäuser mit weniger als 300 Betten eher schlechter, große Einrichtungen ab 600 Betten liegen in etwa im Bundesdurchschnitt. An der repräsentativen Befragung von April bis Juni 2013 beteiligten sich 290 Allgemeinkrankenhäuser.

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Vorhalteleistungen nicht ausreichend vergütet

„Was wir derzeit erleben, ist eine Bankrotterklärung des Krankenhausfinanzierungssystems“, kommentierte der Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD), Dr. Josef Dülling. Das gelte sowohl für die Investitions- als auch für die Betriebskostenfinanzierung. Was die Finanzierung der Investitionskosten angehe, so kämen die Bundesländer ihrer gesetzlichen Verpflichtung dazu immer weniger nach. „Anfang der 90er Jahre lagen die Fördermittel noch bei neun Prozent des Umsatzes der Krankenhäuser, heute nur noch bei gut drei Prozent“, führte Düllings aus. Zugleich sei die Finanzierung der Betriebskosten durch die Preisdeckelung massiv eingeschränkt: „Die Tariflohnsteigerungen können beispielsweise nur zu etwa 50 Prozent über Preissteigerungen refinanziert werden.“ Hinzu kämen „Kollateralschäden“ durch das Fallpauschalensystem, die vor allem kleinere Krankenhäuser der Grundversorgung in den Ruin trieben. Der bei den kleinen Häusern erhöhte Anteil der Vorhalteleistung werde im DRG-System nicht angemessen vergütet. Düllings: „Wenn eine wohnortnahe Grundversorgung politisch ausdrücklich gewünscht ist, dann muss die ,statistische Technokratie’ des DRG-Systems beendet werden.“ Nach seinem Eindruck hat die Versorgungswirklichkeit das Fallpauschalensystem überholt. Das gelte zumindest für einen sehr großen Teil der Grundversorger, so der VKD-Präsident. „Nicht jedes Krankenhaus, das rote Zahlen schreibt, ist überflüssig“, ergänzte Harald Weinberg von der Bundestagsfraktion „Die Linke“.

Gemeinsame Initiative von Bund und Ländern gefordert

Über die Pläne der künftigen Bundesregierung für die Krankenhäuser ist DKG-Präsident Dänzer enttäuscht: „Zu den großen Problemfeldern der Betriebs- und Investitionskosten der Kliniken steht in den bekanntgewordenen Ergebnissen der Arbeitsgruppe Gesundheit und Pflege viel zu wenig.“ Die Investitionsproblematik werde ganz ausgeklammert. Jede Reform der Krankenhausfinanzierung bleibe aber unvollendet, wenn nicht auch die Investitionsfinanzierung geändert werde, betonte Dänzer: „Wer, wenn nicht eine Große Koalition, deren Parteien ja auch in allen Ländern an den Regierungen beteiligt sind, könnte dieses Problem angehen?“ Er appellierte an Bund und Länder, hier zu einer gemeinsamen Initiative zu kommen.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Lothar Riebsamen warb dagegen für Verständnis dafür, dass die Koalitionsarbeitsgruppe Gesundheit und Pflege das Thema der Investitionsfinanzierung in ihrem Papier ausgeklammert habe. Selbst eine Große Koalition könne die Länder nicht vor den Kopf stoßen und ihnen in einem Koalitionspapier auf Bundesebene diktieren, wie das Problem der Investitionsfinanzierung in den Krankenhäusern zu lösen sei. Riebsamen: „So kann man taktisch und politisch einfach nicht vorgehen.“ Man werde sicher bald eine Bund-Länder-Kommission einsetzen, und dann müsse man abwarten, welche Ergebnisse vorgelegt würden.

Jens Flintrop

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