MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Fortgeschrittenes Magenkarzinom: Anti-Angiogenese in der Zweitlinientherapie wirksam

Dtsch Arztebl 2013; 110(49): A-2374 / B-2087 / C-2017

Gulden, Josef

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Für die Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen Magenkarzinoms gibt es bislang kein für diese Indikation zugelassenes Medikament. Das Behandlungsschema einer Zweit-Chemotherapie sollte sich bei Patienten, die dafür infrage kommen, nach der Vorbehandlung richten, heißt es in der S3-Leitlinie. Beim Wachstum des Magenkarzinoms spielt die Angiogenese eine wichtige Rolle. In einer Phase-III-Studie wurde deshalb Ramucirumab getestet, ein vollständig humaner Antikörper gegen den Typ-2-Rezeptor des vaskulären endothelialen Wachstumsfaktors. Der Antikörper verhindert dessen Aktivierung in Endothelzellen. Patienten mit fortgeschrittenen Adenokarzinomen im Magen oder am Ösophagus-Magen-Übergang, die nach einer Erstlinien-Chemotherapie progredient waren, erhielten „Best Supportive Care“ und wurden im Verhältnis 2 : 1 randomisiert: zusätzlich alle 2 Wochen 8 mg/kg Ramucirumab oder Placebo. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben.

An 119 Zentren in 29 Ländern wurden 355 Patienten in die Studie eingeschlossen. Ihre Gesamtüberlebenszeit wurde durch den Antikörper von median 3,8 auf 5,2 Monate signifikant verlängert (Hazard Ratio [HR] 0,776; p = 0,047), das progressionsfreie Überleben von 1,3 auf 2,1 Monate (HR 0,483; p < 0,0001). Dieser Vorteil blieb in einer multivariaten Analyse mit anderen prognostischen Faktoren bestehen (HR für Überleben 0,774; p = 0,042). Er war bei Frauen weniger ausgeprägt, aber auch sie profitierten beim progressionsfreien Überleben. Die Mehrzahl der Nebenwirkungen war auf beide Arme gleich verteilt (94 % vs. 88 %), nur ein für anti-angiogenetische Medikamente charakteristischer arterieller Hypertonus war im Antikörper-Arm mit 16 % vs. 8 % doppelt so häufig, aber nur in der Hälfte dieser Fälle vom Grad 3 oder höher.

Fazit: „Die Studiendaten sind therapeutisch relevant“, meint Prof. Dr. med. Florian Lordick, Direktor des Universitären Krebszentrums Leipzig: Die Ergebnisse mit Ramucirumab seien vergleichbar einer Zweitlinien-Chemotherapie, bei geringerer Belastung durch Nebenwirkungen. Dies sei bei der palliativen Zielsetzung in inkurabler Situation als Vorteil anzusehen. Josef Gulden

Fuchs CS, et al.: Ramucirumab monotherapy for previously treated advanced gastric or gastro-oesophageal junction adenocarcinoma (REGARD): an international, randomised, multicentre, placebo-controlled phase 3 trial. Lancet 2013, Doi 10.1016/S0140-6736(13)61719-5

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