SCHLUSSPUNKT

Körperbilder: Mel Ramos (* 1935) - King Kong und die blonde Frau

Dtsch Arztebl 2013; 110(49): [64]

Schuchart, Sabine

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Selbst nach 50 Jahren weiblicher Aktmalerei vermögen seine Bilder noch zu provozieren. Bei der Eröffnung der Ausstellung „Die Schöne und das Biest“ kam es im Oktober im Museum der bildenden Künste in Leipzig unter anderem wegen der „Animal Paintings“ von Mel Ramos zum Eklat – Bilder, in denen sich makellose weibliche Geschöpfe in bizarrer Komik unbekleidet auf dem Rücken eines Nilpferds oder Zebras räkeln oder, wie hier zu sehen, sich in das Fell eines Riesenpandas schmiegen. Eine Gruppe ostdeutscher Aktivistinnen, die sich nach ihrem US-Vorbild Guerrilla Girls nennt, protestierte gegen die erotisch aufgeladene Kombination nackter Frauen mit animalischen Spielgefährten.

In der Tat lassen Motive wie „Giant Panda“, die quasi automatisch aus dem Bildgedächtnis die libidinöse Beziehung des Monsteraffens King Kong zu einer blonden Frau abrufen, schnell den Vorwurf des Sexismus aufkommen. Doch davon haben Kunsthistoriker und Kuratoren wie Donald Kuspit (USA) und Daniel J. Schreiber (Deutschland) den 78-jährigen Altmeister der Pop-Art längst freigesprochen. Zusammen mit Warhol und Lichtenstein startete der Kalifornier in den 1960er Jahren seine Karriere mit fröhlich-erotischen, aus der Comic-Ästhetik entlehnten Heldinnen im Dialog mit Artefakten der Werbewelt. Heute genießt sein technisch anspruchsvolles Werk nicht nur wegen des sich darin zeigenden Surrealismus Anerkennung, sondern auch wegen der Konsequenz, mit der Ramos seit 50 Jahren weibliche Klischees und massenmediale Bildwelten aufgreift und in Inszenierungen dezidierter Künstlichkeit ihrer Anstößigkeit beraubt. „Ich male keine nackten Frauen. Ich male Bilder von Bildern nackter Frauen“, verweist er auf die Überlagerung verschiedener Realitäten. 2010 widmete ihm die Kunsthalle Tübingen eine große Retrospektive, die danach in München und der Albertina in Wien zu sehen war – eine Ehrung anlässlich seines späten Durchbruchs am Kunstmarkt. Denn obwohl er bereits 1967 seine erste Einzelausstellung im renommierten San Francisco Museum of Modern Art hatte, galten Ramos’ nackte Grazien zumindest nach landläufiger Meinung lange als „Low Art“, als schlechter Geschmack. Sabine Schuchart

Ausstellung

„Die Schöne und das Biest – Richard Müller & Mel Ramos & Wolfgang Joop“
Museum der bildenden Künste Leipzig, Katharinenstraße 10, Leipzig; www.mdbk.de; Di./Do.–So. 10–18, Mi. 12–20 Uhr; bis 12. Januar 2014

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„Die Schöne und das Biest – Richard Müller & Mel Ramos & Wolfgang Joop“, Katalog zur Ausstellung, 176 Seiten, Kerber 2013; 39,95 Euro

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