ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2013Fotoband: Schwarz-weiße Menschenbilder

KULTURTIPPS

Fotoband: Schwarz-weiße Menschenbilder

Dtsch Arztebl 2013; 110(49): [63]

Gerst, Thomas

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„Die Mode dringt bis in die hintersten Gassen der Arbeiterquartiere vor: Jetzt ist es gerade zeitgemäß, seinen eigenen Pudel zu besitzen.“ Die lakonischen Bildbeschreibungen vereinigen sich in ihrem ganz eigenen Charme mit den Fotografien selbst zu einem Gesamtkunstwerk. Hartkontrastig in Schwarz-Weiß und voller Neugierde hielt der Fotograf Leonard Freed mit seiner Leica die bundesrepublikanische Menschenwelt der Nachkriegsjahrzehnte in dem 1970 erschienenen Bildband „Made in Germany“ fest, von dem nunmehr ein Reprint vorliegt.

Freeds Eltern – Rose und Sam, denen der Bildband gewidmet ist – waren 1917 als jüdische Einwanderer aus Minsk nach Brooklyn gekommen. Zahlreiche ihrer in Weißrussland verbliebenen Angehörigen wurden später von den Nationalsozialisten ermordet. Anders als viele jüdische Amerikaner suchte Freed (1929–2006) bereits früh den Kontakt zu Deutschland. Seit 1954 reiste er immer wieder dorthin und belichtete mehr als 800 Filme. Es scheint, als habe er so das Wesen des Deutschen ergründen wollen. Man sieht den Alltag, Feierliches, Ewiggestriges und gegen das Ewiggestrige Aufbegehrende, die deutsche Teilung – in der harten Bildersprache liegt sehr viel Freudlosigkeit und wenig Hoffnungsvolles. Der Reprint wird ergänzt durch einen Textband mit Erläuterungen zum künstlerischen Schaffen Freeds und mit einer Auswahl von Fotografien aus den Jahren nach 1970. Thomas Gerst

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Leonard Freed: Made in Germany. Steidl, Göttingen 2013, gebunden, 22 × 26 cm, 160 Seiten, 130 Abbildungen in Schwarzweiß, Faksimiledruck des Fotobuches zusammen mit einem Textband im Schuber, 38 Euro

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