ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2013Klinische Studien: Es geht immer um die Patienten
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Absolut zu Recht wird thematisiert, dass den Teilnehmern an klinischen Studien Dank und höchster Respekt gebührt, da sie am Studienerfolg (wohlgemerkt unabhängig vom Studienergebnis) den wesentlichen Anteil haben. Einige Punkte möchte ich aber aus Sicht eines Studienarztes, der sehr viele Studien in den Indikationen neurodegenerative Krankheiten, Schmerz und bösartige Neoplasien als Prüfer durchgeführt und/oder geleitet hat, nicht unkommentiert lassen: Es sollte klar herausgestrichen werden, dass klinische Studien nicht durchgeführt werden, bloß weil „die Erkrankung . . . für die Wissenschaft interessant ist“ oder „Leser und Nutznießer“ bereichert, wie es Prof. Golder zu knapp und unangemessen formuliert. Vielleicht ist es in der Tat zu wenig im Bewusstsein, aber es geht in allen Studien immer um die Patienten, und dies gilt es, den Studienteilnehmern von Beginn an zu vermitteln! Natürlich erhoffen und erwarten sie zu Recht einen (und sei es noch so kleinen) Vorteil durch die Studienteilnahme. Aber auch wenn die Teilnehmer selbst keinen direkten Nutzen von den Studienergebnissen haben, können wir ihnen durch Studien mehr anbieten, das merken die Patienten auch: Jemand kümmert sich um sie und ihre Anliegen, sie werden häufiger gesehen und untersucht, sie finden Ansprechpartner in Arzthelferinnen, Studienschwestern, Kotherapeuten usw. Dies erfordert in der Tat viel Zeit und persönliches Engagement. Und das ist meines Erachtens viel wichtiger als die Erwähnung im Nachwort von Publikationen (die ich aber auch oft vermisse) . . .

Aufgabe der Ärzte und Prüfer ist und bleibt es, ihre Patienten gut zu beraten und Möglichkeiten aufzuzeigen, die Krankheit als Teil des Lebens anzunehmen und zu lernen, mit den Auswirkungen umzugehen, und sei es durch die Teilnahme an einer Studie. Das Wichtigste an Studien bleibt die umfassende und geduldige Aufklärung inklusive der Erörterung, was realistisch erhofft werden kann, und der Würdigung des hohen Stellenwerts der freiwilligen Teilnahme. Insofern schließe ich mich dem Fazit von Prof. Golder zu 100 Prozent an und möchte ihm für diesen wichtigen Beitrag danken.

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Priv.-Doz. Dr. med. Sigurd Süßmuth, 89081 Ulm

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