ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2013Rhön-Klinikum AG: Machtkonzentration
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In einer Nacht- und Nebelaktion wurden die Bürger von 43 Städten und Gemeinden mit der Nachricht aufgeschreckt, dass ihr heimisches Krankenhaus verkauft werden soll.

Es bahnt sich eine gewaltige Machtkonzentration im deutschen Krankenhauswesen an...

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Die Transaktion wirkt sich nicht nur auf die betroffenen Klinikbeschäftigten aus, sie verändert die gesamte Krankenhauslandschaft in Deutschland. Helios bekommt mit dieser Machtkonzentration eine marktbeherrschende Stellung. Für die verbleibenden kommunalen und konfessionellen Krankenhäuser wird der Überlebenskampf wesentlich härter, das „Kliniksterben“ wird weiter beschleunigt. Helios wird als erster Anbieter in Deutschland über ein flächendeckendes Kliniknetz verfügen. Nach Konzernangaben wird die Mehrzahl der Menschen in Deutschland binnen einer Stunde eine Helios-Klinik erreichen können. Außerdem will sich der Konzern mit dem zusätzlichen Kauf der 15 Medizinischen Versorgungszentren die Tür zur ambulanten Patientenversorgung weiter öffnen. Die führende Marktstellung von Helios soll noch dadurch gefestigt werden, dass Konzernchef Ulf M. Schneider eine kostengünstige private Kranken­haus­zusatz­versicherung anbieten will. Wenn ein so versicherter Patient dann eine stationäre Behandlung braucht, kommt dann ja wohl nur die nächstgelegene Helios-Klinik in Betracht.

Wenn man den Deal analysiert, kann man die einfache Rechnung anstellen und den Gesamtverkaufspreis von drei Milliarden Euro durch die 43 Kliniken teilen. Man erhält dann den theoretischen Wert von 60 bis 70 Millionen Euro für jedes einzelne Haus. Am Beispiel der Frankenwaldklinik in Kronach wäre dann zu sagen, dass in dieses Haus vor der Privatisierung weit mehr als 60 bis 70 Millionen Euro für umfangreiche Bau- und Sanierungsmaßnahmen – aus Steuergeldern – geflossen sind. Dies gilt sicherlich in ähnlicher Weise für alle anderen verkauften Krankenhäuser.

Der Deal bekommt einen faden Beigeschmack, denn der Rhön-Konzern hat angekündigt, dass er zwei Drittel des erzielten Verkaufspreises an seine Aktionäre verteilen will. Diese können sich dann über eine Gewinnausschüttung von zwei Milliarden Euro freuen, ein Betrag, der zu einem nicht unerheblichen Teil aus Steuergeldern stammt.

Der Erwerber der 43 Krankenhäuser, der Fresenius-Helios-Konzern, will ja den Kaufpreis wieder erlösen und erwartet, dass dieser von den gekauften Kliniken erwirtschaftet wird, natürlich neben der eingeplanten Rendite von 15 Prozent. Es sind die Beschäftigten, die diese Leistung nach rüden Sparmaßnahmen erbringen sollen . . .

Zunächst ist zu hoffen, dass sich das Bundeskartellamt, das zustimmen muss, genügend Zeit nimmt und die Angelegenheit akribisch prüft.

Zum anderen geht es nicht nur um die Zukunft von 30 000 Beschäftigten, sondern auch um die Zukunft unseres deutschen Gesundheitssystems. Das Thema muss der Bevölkerung nahegebracht werden, um die Politiker und die künftige Bundesregierung damit zu befassen.

Als erster Schritt sollte eine Interessengemeinschaft – eine Bürgerbewegung – gegründet werden. Diese müsste über die örtlichen Zeitungen der betroffenen 43 Städte und Gemeinden eine Unterschriftenaktion durchführen und das Resultat dann medienwirksam dem künftigen Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter übergeben.

Dr. med. Hubert Heckhausen, 96317 Kronach

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