ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2013Fachcommunitys: Ärzte wollen ein Portal für alles

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Fachcommunitys: Ärzte wollen ein Portal für alles

Dtsch Arztebl 2013; 110(49): A-2380 / B-2092 / C-2021

Müller, Bodo

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Transparenz, ein hochwertiger Austausch mit Kollegen und die Bündelung von Informationen sind die Anforderungen an ärztliche Fachnetzwerke im Internet.

Ärzte erwarten von Fachportalen wie esanum ein qualitativ hochwertiges Informationsund Kommunikationsangebot.
Ärzte erwarten von Fachportalen wie esanum ein qualitativ hochwertiges Informationsund Kommunikationsangebot.

Die Ärzte sind eine Berufsgruppe voller Gegensätze. Auf der einen Seite nutzen sie in ihrem Berufsalltag wie selbstverständlich modernste technische Geräte, auf der anderen Seite stolpern viele immer noch über einfache Anwendungen im Internet oder auf dem Smartphone. Doch bei der Online-Nutzung der Ärzte zeigt sich erfreulicherweise ein klarer Trend, wie die letzte LA-Med API-Studie 2013 belegt. APIs (Allgemeinmediziner, Praktiker und Internisten) sind circa 4,4 Stunden pro Woche online, etwa 61 Prozent surfen täglich, und ein Drittel ist im Internet beruflich unterwegs – Tendenz steigend.

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Funktion als Aggregatoren

Fachportale wie esanum, Hippokranet, coliquio oder Doccheck bieten den Ärzten umfangreiche Tools, um sich über Behandlungsmethoden, Weiterbildungen, Stellenangebote, Indikationserweiterungen und Leitlinienänderungen zu informieren. Den Communitys fällt dabei die Rolle von Aggregatoren zu, die verschiedene Inhalte in ihrer Datenbank zur Verfügung stellen und die Ärzte selbst zur aktiven Verbreitung von Informationen anregen. Portale sollen als „One-Stop-Shop“ fungieren – als großer Pool von Informationen diverser Hersteller, Mediziner, Institutionen und Interessengruppen, die einen Überblick über das medizinische Berufsfeld geben und entsprechende Kommunikationsmöglichkeiten bieten – ähnlich denen von Facebook, nur eben fachlich und professionell. Am besten ist es, wenn alles auch noch von unterwegs funktioniert. Mehr als 80 Prozent der Ärzte in Europa besitzen heute ein Smartphone und 58 Prozent ein Tablet – entsprechend wichtiger wird es für Fachcommunitys, diesen Nutzern mobile Angebote wie Apps zu machen. Fast 35 Prozent der Zugriffe auf esanum beispielsweise erfolgen bereits mit einem mobilen Gerät.

Die Ärzte erwarten von Fachcommunitys zu Recht eine hohe Qualität des Austauschs, jedoch sind nur wenige der führenden Portale im In- und Ausland wirklich geschlossene Plattformen, die nur für approbierte Mediziner erreichbar sind. Bei geschlossenen Foren ist die maximale Nutzerzahl vor dem Hintergrund der etwa 459 000 Ärzte in Deutschland zwar begrenzt, aber es ist sichergestellt, dass hier fachlich anspruchsvolle Informationen an den Arzt gebracht werden. Inhaltsleere Status-Updates oder Kommentare kommen auf Fachnetzwerken sowieso nicht gut an.

Industriekontakt erwünscht

Die Fachcommunitys haben sich in den vergangenen Jahren neben dem fachlichen Austausch zu einer wichtigen Schnittstelle zwischen Pharmaindustrie und Ärzten entwickelt. Industriepartner nutzen diese Portale zum Beispiel, um über Indikationserweiterungen zu informieren. Allerdings verlangen Ärzte von den Portalbetreibern ein Höchstmaß an Transparenz. Sie wollen eben genau wissen, wer der Absender einer Informationsmeldung ist, und so wandert diese in einen speziell für Unternehmen vorgesehenen Bereich. Sogenannte Meinungsbildner, die in Fachdiskussionen den Ärzten Rede und Antwort stehen, müssen ebenfalls erkennbar machen, für wen sie arbeiten. Ähnlich sieht es bei den immer wichtiger werdenden Online-Weiterbildungen aus, bei denen Ärzte bequem vom PC oder Smartphone aus CME-Punkte sammeln. Wer diese veranstaltet oder bei der Produktion mitgewirkt hat, muss auch hier klar erkenntlich sein.

Industrienähe auf Fachportalen ist deshalb nichts Schlechtes. Sie sollte nur den hochwertigen Austausch der Ärzte nicht gefährden. Denn hat ein Arzt erst einmal das Vertrauen in eine Online-Community verloren, dann ist es schwer, ihn wiederzugewinnen. Leitgedanke aller Communitys sollte deswegen stets die hohe Qualität sein. Für belangloses Geplapper oder Gezwitscher gibt es andere Netzwerke.

Bodo Müller

Dr. med. Bodo Müller ist Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe im Vivantes-Klinikum Berlin Hellersdorf und Gründer von esanum.

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