ArchivDeutsches Ärzteblatt20/1996Arzt im Praktikum: Haarsträubend
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LNSLNS Bitte ersparen Sie uns doch solche unqualifizierten Artikel! Die subjektiv beschönigenden Erfahrungen einer ÄiP in der Kinder- und Jugendpsychiatrie eignen sich wohl kaum für eine Bestandsaufnahme des AiP. Die Aussagen von Frau Falk sind wirklich haarsträubend. "Wenn man nach dem Studium die ersten Patientenkontakte habe, sei es sinnvoll, zunächst unter Anleitung und Aufsicht zu arbeiten." Was hat denn Frau Falk so das ganze Studium gemacht, wenn sie erst ins AiP kommen mußte, um mal Kontakt zu Patienten zu bekommen?
Und welcher AiP arbeitet denn unter Anleitung? Die Kontrolle besteht in der Oberarztvisite – die wohl auch jeder Assistent kennt. Und da sind wir auch schon am Punkt: die Arbeit eines AiP unterscheidet sich nämlich von der Tätigkeit und der Verantwortung her überhaupt nicht von der eines Assistenten. Jeder, der nur ein bißchen Einblick in die momentane Kliniksituation hat, der weiß, daß vor allem an kleineren Kliniken vermehrt AiP eingestellt werden und auf Assistenten verzichtet wird. Nach dem AiP werden die ÄiP dann gegen neue ÄiP ausgetauscht – da steigt niemand zum Assistenten auf!
Forensisch ist das nämlich auch kein Problem. Frau Falk hat sich ja über "den Schutz gefreut", den sie im AiP hatte. Auch wieder an der Realität vorbei. Bevor ich mein AiP angetreten habe, wurde mir von der Verwaltung nahegelegt, eine Haftpflichtversicherung abzuschließen, da die Uni für meine Fehler nicht haften würde. Mein Schutz im AiP bestand demnach in einer privaten Berufshaftpflicht! Erübrigt sich zu erwähnen, daß ich diese Berufshaftpflicht vom Lohn bezahlt habe. Der Lohn ist auch ein Punkt in dem Artikel, über den ich mich nur wundern konnte. Frau Falk redet von einem durchschnittlichen monatlichen Nettoeinkommen von 2 000 DM. Das Bruttogrundgehalt eines AiP liegt bei ungefähr 1 900 DM . . . Ist Ihr Artikel schlecht recherchiert, schlampig geschrieben, oder werden absichtlich falsche Tatsachen vorgegaukelt? Er spiegelt jedoch deutlich die Ignoranz wider, die von seiten der Ärzteschaft gegenüber der AiP-Problematik herrscht. In keiner Berufsgruppe werden die jungen Kollegen dermaßen ausgebeutet wie bei den Ärzten – und das auch noch systematisch und vollkommen schamlos. Auch Ihr Artikel wird dazu beitragen, daß sich die Klinikdirektoren und -chefs weiterhin keine Gedanken darüber machen müssen, warum sie Millionen und die jungen Kollegen deutlich weniger als die Putzfrau und der Pförtner verdienen. Warum soll auch etwas im argen liegen, wenn einem hübsche, zufriedene Ärztinnen im Praktikum von Fotos im Ärzteblatt entgegenlächeln? . . . Dr. Martin K. Oehler, schon länger Assistent, Hellweg 8, 53347 Alfter
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