ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2013Effektivität der Lipoprotein-Apherese in Studie belegt

AKTUELL: Akut

Effektivität der Lipoprotein-Apherese in Studie belegt

Dtsch Arztebl 2013; 110(49): A-2344 / B-2064 / C-1996

Klingel, Reinhard

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Lipoprotein(a) (Lp[a]) ist ein unabhängiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Komplikationen (Risikoerhöhung ab 30 mg/dl) und gleicht in seinem strukturellen Aufbau dem LDL-Cholesterin. Die Daten der prospektiven Studie Pro(a) LiFe bestätigen nun, dass die Lipoproteinapherese (LA) eine wirksame Therapie zur Behandlung der isolierten Lp(a)-Erhöhung mit progredienter kardiovaskulärer Erkrankung ist (Circulation 2013; doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.113.002432).

Hierfür wurden 170 Patienten zwei Jahre vor Beginn der LA und prospektiv 2 Jahre unter LA erfasst. Neben den Basisdaten der Patienten wurden der Lipoproteinstatus, die lipidsenkende Medikation und der molekulargenetische Befund des Lp(a)-Gens ermittelt. Vor der 1. LA betrug unter lipidsenkender Medikation das mittlere LDL-Cholesterin 99 mg/dl, das mittlere Lp(a) 104,9 mg/dl. 49 Prozent der Patienten hatten mindestens ein Lp(a)-Risikoallel. Die mittleren Absenkraten für Lp(a) und LDL-Cholesterin lagen bei > 60–70 Prozent pro LA.

Die Behandlung erfolgte in der Regel wöchentlich über einen peripheren Gefäßzugang. Die mittlere Rate an koronaren Ereignissen/Jahr sank um 78 Prozent von 0,41 in den zwei Jahren vor Apherese auf 0,09 in den zwei Jahren unter Apherese (p < 0,0001). Die Rate der kardiovaskulären Ereignisse aller Gefäßregionen sank um 74 Prozent von 0,61 auf 0,16 (p < 0,0001). Die LA führte somit zu einer statistisch signifikanten und klinisch relevanten Stabilisierung der Gefäßerkrankung.

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Die Ergebnisse dieser Studie sind insofern von Bedeutung, als die selektive LA seit 1991 Regelleistung der GKV und Ultima ratio der Eskalation lipidsenkender Maßnahmen ist. Die medikamentöse Option mit Nikotinsäurepräparaten steht wegen der Marktrücknahme allerdings seit Januar nicht mehr zur Verfügung. Aktuell ist die LA daher die einzige Option zur langfristigen Absenkung des Lp(a).

Nach Beschluss des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) ist das Verfahren jedoch nur indiziert bei Patienten mit isolierter Lp(a)-Erhöhung über 60 mg/dl und LDL-Cholesterin im Normbereich sowie gleichzeitig klinisch und durch bildgebende Verfahren dokumentierter progredienter kardiovaskulärer Erkrankung. Der G-BA hatte mit dieser Erstattungsregelung die gleichzeitige Forderung nach neuen prospektiven Studienergebnissen zur Wirksamkeit verknüpft. Die prospektive Beobachtungsstudie Pro(a)LiFe erfüllt nun die an die Erstattungsregelung geknüpfte Forderung des G-BA. Prof. Dr. med. Reinhard Klingel

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