ArchivDeutsches Ärzteblatt20/1996Arzt im Praktikum: Andere Wirklichkeit
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LNSLNS . . . Die Wirklichkeit ist wohl in der Mehrzahl der Fälle durchaus anders. Nahezu alle mir bekannten Kommilitonen, welche als AiP tätig sind, mußten Bankkredite aufnehmen. Das alles nicht etwa, um sich den Golf-Club, exotische Fernreisen oder das Sportcabrio zu leisten. Weit gefehlt. Fortbildungen (Rettungsdienst, Strahlenschutz, Sonografie etc.) werden bei Ausschreibung von nahezu allen Assistentenstellen verlangt. Da bezahlt dann Chefarzt, Assistent und AiP in der Regel denselben Preis (zum Beispiel FKN-Rettungsdienst zirka 1 000 DM). Bei einem monatlichen Einkommen von zirka 2 000 DM ein leichtes für den tapferen AiP. . . Und was für eine Rechtfertigung für den AiP-Tarif: er arbeitet unter ständiger Anleitung und Kontrolle eines erfahrenen Kollegen. Die Wirklichkeit ist auch hier durchaus anders. In kleinen Krankenhäusern werden AiP bereits nach ein bis zwei Monaten der Einarbeitung allein zu Nachtdiensten eingeteilt! Gut, ein Oberarzt ist im Hintergrund. Stimmt – doch das ist er auch für Assistenzärzte. Warum also ein um ein Mehrfaches geringeres Gehalt?
Ein Weiteres: was für eine Wertschätzung unserer Arbeit, wenn sich die Damen des KrankenhausReinigungsdienstes, selbstverständlich mit 35-Stunden-Woche ausgestattet, über das AiP-Gehalt kaputtlachen.
Um es zu betonen: Ich liebe meine Arbeit und fühle mich gut betreut. Dennoch bleibt zu konstatieren, daß die AiP-Phase unserer Ausbildung bezüglich der Entlohnung eine Ohrfeige ist und sich somit nahtlos in die gesamten Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen einreiht. Ich fürchte, unsere hochdekorierten, sich gegenseitig Buchgeschenke überreichenden Standesvertreter haben vor der AiP-Einführung doch geschlafen. Können sie auch beruhigt, Geldsorgen werden sie sicher nicht plagen.
Dr. med. Christoph Schenk, Nikolausstraße 16, 36037 Fulda
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