ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2013OECD-Bericht: Antidepressiva-Verordnungen steigen

AKTUELL

OECD-Bericht: Antidepressiva-Verordnungen steigen

PP 12, Ausgabe Dezember 2013, Seite 532

Hillienhof, Arne

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Zwischen steigenden Antidepressiva-Verordnungen und sinkenden Suizidraten besteht ein Zusammenhang. Foto: picture alliance
Zwischen steigenden Antidepressiva-Verordnungen und sinkenden Suizidraten besteht ein Zusammenhang. Foto: picture alliance

In den 33 OECD-Ländern nimmt der Bedarf an Antidepressiva zu. Das hat der OECD-Bericht „Health at Glance 2013“ ermittelt. Demnach stieg der Konsum der Psychopharmaka zwischen 2000 und 2011 von 35 auf 56 tägliche Dosen pro 1 000 Einwohner. In Deutschland verdoppelte sich der Konsum in den elf Jahren, liegt aber mit 50 Tagesdosen noch unter dem Durchschnitt. Die OECD führt den zunehmenden Verbrauch etwa in Großbritannien auf die Auswirkungen der Finanzkrise zurück. Häufig würden Antidepressiva zudem bereits bei milderen Formen wie etwa Angstzuständen oder Sozialphobien verordnet, die Therapien fielen allgemein intensiver aus. „Diese Ausdehnung hat zur Besorgnis geführt, ob die Verschreibungen angebracht sind“, heißt es in dem Bericht kritisch.

Derartige Vermutungen weist die Stiftung Deutsche Depressionshilfe vehement zurück. Sie wertet die ansteigenden Verordnungszahlen als Indiz für den Abbau diagnostischer und therapeutischer Defizite im Bereich depressiver Erkrankungen. Sowohl die Zunahme der Diagnosehäufigkeit depressiver Erkrankungen als auch die Zunahme der pharmako- und psychotherapeutischen Behandlungen sei ein „sehr erwünschtes Phänomen und kein Ausdruck einer generellen Zunahme einer Depressionshäufigkeit“.

Anzeige

In diesem Zusammenhang verwies die Stiftung auf eine aktuelle Untersuchung. Diese hatte einen direkten Zusammenhang zwischen steigenden Verschreibungsraten von Antidepressiva und sinkenden Suizidraten ergeben (GUSMAO R et al. 2013, PlosOne 8:6). Demnach gingen die Suizidraten besonders in den europäischen Ländern deutlich zurück, in denen die Verschreibungshäufigkeit von Antidepressiva zunahm. hil

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema