ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2013Angststörungen und Depression: Ungewissheit ertragen lernen

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Angststörungen und Depression: Ungewissheit ertragen lernen

PP 12, Ausgabe Dezember 2013, Seite 560

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Ungewissheit können sowohl Patienten mit Angststörungen als auch Depressive kaum ertragen. Zu diesem Ergebnis kamen US-amerikanische Psychologen um James Boswell von der Boston University, die 32 Patienten mit verschiedenen Angststörungen und Depressionen untersucht haben. Ungewissheit hinsichtlich künftiger Ereignisse empfanden die Patienten als stressreich und belastend. Sie fühlten sich durch sie gelähmt und versuchten, sie zu vermeiden. „Dahinter stand die Angst vor Kontrollverlust und unangenehmen Erfahrungen“, sagen die Autoren.

Die Wissenschaftler behandelten die Patienten mit Verfahren, die auf der kognitiven Verhaltenstherapie basierten und darauf abzielten, die Patienten über Emotionen zu informieren und sie in Emotionsregulation zu schulen. Verschiedene Übungen dienten dazu, das Vermeidungsverhalten der Patienten zu reduzieren und ihr Kontrollvermögen zu erhöhen. Die Patienten wurden außerdem motiviert, für Veränderungen bereit zu sein, positiv in die Zukunft zu sehen und ihre Behandlung aktiv mitzugestalten. Nach durchschnittlich 15 Einzeltherapiesitzungen waren Ängste und Depressionen der Untersuchungsgruppe im Vergleich zu einer Kontrollgruppe signifikant zurückgegangen.

Die Studie zeigt nach Meinung der Autoren, dass Intoleranz von Ungewissheit ein Faktor ist, der über das Gelingen oder Scheitern von Psychotherapien bei Angststörungen und Depressionen mitentscheiden kann. Darüber hinaus ist sie offenbar ein gemeinsames Symptom von Emotionsregulationsstörungen. Daher können Interventionen, die das Aushalten und Akzeptieren von Ungewissheit fördern, für unterschiedliche Patientengruppen und im Rahmen verschiedener therapeutischer Verfahren eingesetzt werden. ms

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Boswell J, Thompson-Hollands J, Farchione T, Barlow D: Intolerance of uncertainty: a common factor in the treatment of emotional disorders. Journal of Clinical Psychology 2013; 69(6): 630–45. MEDLINE

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