BÜCHER

Psychoanalyse in der Spätadoleszenz: Theoretisch interessant, praktisch überzeugend

PP 12, Ausgabe Dezember 2013, Seite 571

Röpke, Christine

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Holger Salge versammelt im Buch einen auf der Basis langjähriger klinischer Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen gesammelten Erfahrungsschatz eines Psychoanalytikers. Er beleuchtet damit einen sehr spezifischen Versorgungsbereich, dessen Besonderheiten bisher in der psychoanalytischen Literatur wenig Aufmerksamkeit erfahren haben. Ganz besonders interessant ist, dass mit diesem Buch der Übergangsbereich zwischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und Erwachsenenpsychotherapie genau ins Blickfeld gerät, sowohl entwicklungspsychologisch als auch klinisch.

In 14 übersichtlich gegliederten, auch einzeln lesbaren Kapiteln geht der Autor der Frage nach, inwieweit die Entwicklungszeit der Adoleszenz eine besondere Behandlungstechnik erfordert beziehungsweise auch den Behandler auf spezifische Art herausfordert. Immer wieder nimmt er dabei Bezug auf Übertragungs- und Gegenübertragungsphänomene. Fast möchte man sagen, dass dies der rote Faden ist, der sich in dem analytischen und praxisbezogenen Denken voller Spannung durch die fast 200 Seiten gezogen hat. Es ist der rote Faden, der zusammen mit den vielen Fallbeispielen die ausgesprochen ausführlichen Theoriekapitel praxisnah und nachvollziehbar werden lässt.

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Im Einzelnen kommen zuerst von Freud über Bloss bis Erdheim die psychoanalytischen Adoleszenztheorien zu Wort, dann geht der Autor auf die Entwicklungsaufgaben von Spätadoleszenz und jungem Erwachsenenalter in der Gesellschaft ein und beschreibt in einem eigenen Kapitel die „Entwicklungspsychologie der Spätadoleszenz“. Damit sind die Voraussetzungen für das Kapitel „Schwierigkeiten in der Diagnostik und Indikationsstellung“ geschaffen. Sehr spannend wird dann das Kapitel „Psychodynamische Besonderheiten“. Einige, praxisbegleitende Punkte sind hervorzuheben: die Bedeutung der Schamkonflikte, die Verbindung der Fähigkeit zum Alleinsein mit den Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz, die Einführung des Begriffes „Beunruhigungsraum“, die Auseinandersetzung mit den Eltern von Adoleszenten und mit der Bedeutung der modernen Medien.

Die zweite Hälfte des Buches beschäftigt sich mit Behandlungstechnik und geht im allgemeinen Teil auf die gravierend anderen Bedingungen in der Behandlung ein, als sie in der Praxis sowohl mit Kindern und jüngeren Adoleszenten als auch mit Erwachsenen vorkommen. Hervorzuheben ist unter Gegenübertragungsgesichtspunkten das Kapitel über „Das schwierige Verhältnis des analytischen Psychotherapeuten zur Spätadoleszenz“. „Die Behandlung in verschiedenen Settings“ unterscheidet zwischen analytischer und tiefenpsychologischer Einzeltherapie und hebt die behandlungstechnische Bedeutung der Gruppenpsychotherapie für diese Altersgruppe hervor. Danach beschreibt der Autor „Ein Modell stationärer Psychotherapie“, geht noch einmal in je einem eigenen Kapitel auf „Die therapeutische Haltung in der Behandlung Spätadoleszenter“ und auf „Die Person des Therapeuten“ ein.

Zum Schluss lässt er in einer Fallbeschreibung eine Patientin zu Wort kommen, fasst seine Thesen zusammen und lässt den Leser mit der Überzeugung zurück, ein theoretisch interessantes und praktisch überzeugendes Buch gelesen zu haben, das man unmittelbar in einer Praxis als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut anwenden kann und das wahrscheinlich auch Erwachsenenanalytiker ermuntert, sich mit dieser Altersgruppe zu beschäftigen. Christine Röpke

Holger Salge: Analytische Psychotherapie zwischen 18 und 25. Besonderheiten in der Behandlung von Spätadoleszenten. Springer, Berlin 2013, 204 Seiten, gebunden, 34,99 Euro

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