ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2013Partnerschaft: Kreativer Umgang mit Eifersucht

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Partnerschaft: Kreativer Umgang mit Eifersucht

PP 12, Ausgabe Dezember 2013, Seite 573

Albrecht, Helmut

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Die Themen Liebe und Eifersucht bei Sachbüchern geraten leicht in den Verdacht verkappter Belletristik oder Kolportage. Selbst in der Psychoanalyse galt es lange Zeit als unseriös, ohne Umschweife einfach von Liebe zu reden. Erich Fromm und später sogar Otto Kernberg brachen aber mit dem Tabu und veröffentlichten explizite Monografien zum Thema Liebe.

Der Tiefenpsychologe und Paartherapeut Wolfgang Krüger untersucht anhand zahlreicher Kasuistiken unter charakterpsychologischen, bindungstheoretischen und phänomenologischen Gesichtspunkten die Eifersucht und ihre Stellung zur Liebe. Dabei vermeidet er populistische Vereinfachungen, Vorurteile und Moralisieren.

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Eifersucht ist zunächst ein Kollateralgefühl einer lebendigen und verbindlichen Liebesbeziehung. Sie kann sich bei bestimmten Entwicklungsdefiziten oder partieller Bindungsstörung ins Krankhafte verirren, bis hin zum Wahn. Psychotherapie kann Bindungsdefizite zum Beispiel aufgrund ungünstiger Kindheitsbedingungen überwinden helfen, einschließlich eines geradezu basalen existenziellen Gefühls der Selbstunsicherheit. Auf Handlungsrezepte gegen Eifersucht wird wohltuend verzichtet, vielmehr die eigene Selbstentwicklung und Konfliktfähigkeit als Voraussetzungen eines kreativen Umgangs mit Eifersucht dargestellt. Die Erweiterung der eigenen sozialen Kompetenz und Liebesfähigkeit sowie die bewusste Kultivierung eines gemeinsamen kulturellen Dritten als Konsolidierung kriselnder Partnerschaften unterstützen in dieser Richtung. Vor allem unbewusste Eifersucht wirkt sich als bedeutender psychosomatischer Krankheitsfaktor aus, mit zum Beispiel Magen-Darm-Beschwerden, Panikattacken, Kopf- und Rückenschmerzen.

Es geht vor allem darum, die Scham über Eifersucht zu verlieren und zu lernen, Verdrängtes zu erkennen und darüber zu sprechen. Dabei sollte auch die habituelle Treulosigkeit eines Partners als Bindungs- oder Näheproblematik thematisiert und nicht pseudowissenschaftlich kurzschlüssig als biologisch-anthropologisch begründet bagatellisiert werden. Krüger stellt damit die moderne Psychotherapie erweitert um Lebenskunst in die Tradition der antiken diätetischen Heilkunde, die dem richtigen Umgang mit den Leidenschaften die höchste Priorität für die Vorbeugung von Krankheiten gab. Helmut Albrecht

Wolfgang Krüger: Aus Eifersucht kann Liebe werden. Kreuz, Freiburg im Breisgau 2013, 159 Seiten, kartoniert, 14,99 Euro

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