ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2013Mannheim: Das Vermächtnis der Wittelsbacher

KULTUR

Mannheim: Das Vermächtnis der Wittelsbacher

PP 12, Ausgabe Dezember 2013, Seite 575

Buhr, Uta

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„Die Wittelsbacher am Rhein. Die Kurpfalz und Europa“ lautet der Titel einer gigantischen Ausstellung, die zurzeit in den Reiss-Engelhorn Museen und im Barockschloss Mannheim stattfindet.

Wer diese grandiose Ausstellung besucht, muss gut zu Fuß sein. Denn sie findet an zwei verschiedenen Orten statt: im Museum Zeughaus und im etwa zehn Gehminuten entfernten Barockschloss Mannheim. Während sich die Anfänge der Dynastie der Wittelsbacher im mystischen Halbdunkel der Räume des Zeughauses abspielen, bilden die verschwenderisch mit Gold und Stuck geschmückten Säle des Barockschlosses den Rahmen für die Fortsetzung der Familiensaga. Bei den 600 Exponaten – Gemälde, Landkarten und Stiche, Globen, Waffen, Rüstungen, Skulpturen und Schmuck – handelt es sich zum Teil um Leihgaben aus den Vatikanischen Museen, der British Library, des Louvre und des Kunsthistorischen Museums Wien sowie um Stücke aus dem Bayerischen Nationalmuseum.

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Der Pfalzgraf bei Rhein gehört zu einem Ensemble von insgesamt acht Sandsteinfiguren, die einst als Zinnen das Mainzer Kaufhaus schmückten. Foto: rem/Carolin Breckle
Der Pfalzgraf bei Rhein gehört zu einem Ensemble von insgesamt acht Sandsteinfiguren, die einst als Zinnen das Mainzer Kaufhaus schmückten. Foto: rem/Carolin Breckle

Auch jungen Menschen wird die verzwickte Bündnispolitik zwischen den Herrschern der Kurpfalz und Bayern mittels Schautafeln, Karten und pfiffigen Trickfilmen schmackhaft gemacht. Mit Ludwig dem Kelheimer, der 1224 von Friedrich II. mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein belegt wird, betreten die Pfälzer die politische Bühne Europas. Es folgten große Herrscher vom Schlage König Ruprechts, der es zu Beginn des 15. Jahrhunderts bis an die Spitze des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation brachte, Ludwig III. und Friedrich der Siegreiche.

Ihren Höhepunkt erreichte die Dynastie im späten 18. Jahrhundert, als Kurfürst Carl Theodor Chef des Hauses Wittelsbach wurde. Der kunstsinnige Herrscher hatte mit seinem bayerischen Vetter Max III. Joseph vereinbart, dass er von Mannheim nach München übersiedeln würde, sollte sein Cousin vor ihm sterben. Eine weitsichtige Bündnispolitik, durch die erstmals seit 450 Jahren die beiden Fürstentümer der Wittelsbacher – die Kurpfalz und Bayern – wieder von einer Hand regiert würden. Im Dezember 1777 war es soweit. Max III. Joseph starb, und Carl Theodor verließ den Rhein in Richtung Isar, um seinen Wohnsitz vom Mannheimer Barockschloss in die Münchner Residenz zu verlegen.

Der Umzug nach Bayern fiel Carl Theodor schwer. Zu sehr hing er an seinem prächtigen Schloss, den Gärten, dem Hoftheater und der „Mannheimer Schule“ – der Wegbereiterin der Wiener Klassik. Aber auch die Bayern waren alles andere als begeistert von ihrem neuen Herrn. In einem Trickfilm wird der Empfang Carl Theodors in München dargestellt: „Schleich di“ und „Geh hoam“ schwebt in Sprechblasen über den Köpfen der erbosten Marktfrauen auf dem Viktualienmarkt. Doch Carl Theodor besänftigte das Volk mit Wohltaten. Ab sofort durfte es den Nymphenburger Park betreten und später auch den von Carl Theodor geschaffenen Englischen Garten. Und wer hätte gedacht, dass ausgerechnet ein Pfälzer den Bajuwaren etwas so Urbayerisches wie den Leberkäs und die Laugenbrezel bescheren würde?

Auch kriegerische Auseinandersetzungen werden in der Ausstellung dargestellt. Neben der Geschichte des „Winterkönigs“ Friedrich V. von der Pfalz, der am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges daran scheiterte, den Protestantismus im Heiligen Römischen Reich zu etablieren, nehmen die Überfälle Ludwigs XIV. auf die Pfalz breiten Raum ein. Unter dem Ruf „Brûlez le Palatinat“ verwandelte die französische Soldateska ein blühendes Land in eine Wüstenei. Die Zerstörung des Heidelberger Schlosses wird im Film nachgezeichnet.

Uta Buhr

@Die Ausstellung „Die Wittelsbacher am Rhein“ ist noch bis zum 2. März 2014 zu sehen (www.wittelsbacher2013.de).

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