ArchivDeutsches Ärzteblatt20/1996Arzt im Praktikum: Zu hohe Ansprüche
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LNSLNS Mir platzt langsam der Kragen, wenn ich das Klagen der armen, unterbezahlten Ärzte im Praktikum höre. 2 000 DM monatliches Nettoeinkommen sind nicht genug! Die Approbationsordnung hat sehr wohl recht, "daß die Ausbildung zum Arzt an den Hochschulen ausreichende praktische Fertigkeiten und Fähigkeiten nicht mehr vermittele, um sich nach Abschluß der Ausbildung unmittelbar als approbierter Arzt eigenverantwortlich und selbständig betätigen zu können". Dafür ist 2 000 DM netto ein gutes Geld. Ich weiß, wovon ich spreche: Mein Vater hat in den dreißiger Jahren für einen Teller Suppe und später für 50 Mark im Monat als Arzt gearbeitet, nach 1945 wurden auch keine goldenen Berge verdient. Ich habe als Medizinalassistent in den siebziger Jahren monatlich unter 1 000 DM verdient. Während meiner gesamten Krankenhauslaufbahn habe ich keine Überstunde bezahlt bekommen. Es war jedoch für uns selbstverständlich, die Arbeit zu beenden, ohne auf die Uhr zu schielen. Als Assistenten haben wir bis zu 15 Dienste im Monat absolviert (gegen Bezahlung), als Chefarzt war ich zeitweilig Monate in Dienstbereitschaft (bei geringem Ausgleich). Während meiner Krankenhauszeit habe ich überwiegend im Personalwohnheim gelebt, noch als Chefarzt monatelang in einer Mansarde des Krankenhauses. Mein VW-Käfer begleitete mich auch noch während meiner Chefarzttätigkeit. Die Ansprüche sind heute einfach zu hoch: sofort ein gutes Monatsgehalt, Wohnung und passables Auto. Warum immer der Vergleich mit einer Leichtlohngruppe wie dem Hol- und Bringdienst im Krankenhaus oder anderen angelernten Tätigkeiten? Das ist unwürdig. Leider wird heutzutage erst (gutes Geld) gefordert und dann (vielleicht) etwas geleistet. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: erst die Leistung, dann kann man über ein gutes Gehalt sprechen.
Dr. med. Wolfgang Weise, Martin-Ofner-Straße 6, 84508 Burgkirchen
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Avatar #26861
Dr. Schröter
am Montag, 7. Mai 2018, 15:12

Krass und krank !

Ich habe regelhaft 6 Jahre studiert, 6 Jahre nebenher im KH gearbeitet, meist auf Intensiv, 6 Jahre harte kirchliche Seelsorge nebenher !
Vom Dorf kommend, ganzes Leben aufgearbeitet, am Ende voll erwachsen und befähigt, mehr Famulaturen als nötig, maximaler Einsatz, im PJ an der Uni Station fast alleine gemacht, Angebot einer Stelle wegen Engagement. Und da meint ein Kollege, man hätte zu hohe Ansprüche ?? Neid auf andere Kollegen ?? Kein Ing. oder Jurist würde ich mit 1/3 Gehalt abspeisen lassen ! An erster Stelle sofort Mobbing, klinisch teilweise sogar besser als OÄ, als "Anfänger" voll professionell funktioniert !
Und dann Neid und Hass von Kollegen ?? Ich werde die kranke Süßmuth auf Schadensersatz verklagen !
Es kommt immer darauf an, was man aus einer Ausbildung macht ! Der eine macht maximal, der andere minimal !
Auch an schlechter Uni kann man maximal was draus machen !
Ich jedenfalls habe in 6 Jahren im Schnitt nur 4 h geschlafen, oft gar nicht. Und AIP ist maximaler Betrug einer korrupten Regierung damals, besonders der verlogenen Süßmuth !

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