ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2013Allgemeinmedizin: Netter Grüßonkel
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

„Dem Nachwuchs gerecht werden“ ist auch ein Thema, das mich angeht. Ich finde es prinzipiell wichtig, dass niederlassungswillige Ärzte das Arbeiten im KV-System kennenlernen, bevor sie den Schritt aus der Klinik wagen. Dass aber die eigentlichen Erschwernisse bei der Niederlassung nicht erkannt werden, spiegelt der Artikel sehr gut wider: Hier wird vor allem bemängelt, dass man Familie und Beruf nicht mit einer Praxis vereinbaren könne. Das kann man bekanntlich bei vielen anspruchsvollen Berufen nur schwer. Aber es gibt vor allem massive strukturelle Probleme.

Wer sich für eine Tätigkeit in hausärztlicher Versorgung entscheidet, ob Allgemeinmediziner oder Internist, ist zwar nicht mehr Klinikangestellter, aber dafür Weisungsempfänger der KVen. Durch Willkür in der Anerkennung von Qualifikationen und durch die Änderungen des Abrechnungssystems ist der Hausarzt inzwischen ein Arzt zweiter Klasse, der dem Patienten vermittelt, was die sogenannten Spezialisten an ihm untersucht haben. Der Hausarzt wird zum netten Grüßonkel der Medizin degradiert, inzwischen vielerorts auch unpromoviert, der vor allem für geriatrische Fälle, die Beaufsichtigung von Pflegeheimen und für Palliativpatienten verantwortlich sein soll. Palliativmedizin darf er dank des neuen EBM auch ohne Qualifikation betreiben, in der spezialisierten Palliativversorgung aber nur mit Ausbildung, dann aber nicht mehr als Hausarzt. Hier wird besonders deutlich, wie die KVen den politischen Willen, den Hausarzt umzuformen, umsetzen. Womit verdient der Hausarzt sein Geld? Hausbesuche, Gesundheitsuntersuchungen von fragwürdigem Wert, Hautkrebsscreening, das er mit einer kostenpflichtigen Nachmittagsveranstaltung lernen kann.

Anzeige

Fast alles, was ich noch vor kurzem in der Klinik als Internist, Diabetologe und Palliativmediziner tun konnte und musste, wird von der KV dadurch verhindert, dass Zulassungen nicht erteilt werden und so die Abrechenbarkeit der Leistungen und damit eben auch die Durchführung der Leistung entfällt. Besonders im Bereich Ultraschall kommen diese Repressalien zum Tragen. Und wer keine Medizin mehr macht, kann sie auch bald nicht mehr, und ist dass auch von der billigen VERAH ersetzbar.

Das muss man den jungen Kollegen sagen, bevor die Hausarzt werden wollen.

Dr. Steffen Beckmann, 31787 Hameln

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema