ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2013Personalisierte Computertomographie: Schonendere, präzisere Diagnostik

TECHNIK

Personalisierte Computertomographie: Schonendere, präzisere Diagnostik

Dtsch Arztebl 2013; 110(50): A-2444 / B-2152 / C-2072

Krüger-Brand, Heike E.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

In Mannheim wird ein Computertomograph der Superlative erprobt. Patienten können von einer bis um die Hälfte geringeren Röntgendosis und einer erheblich reduzierten Kontrastmittelgabe profitieren.

Der neue Computertomograph in Mannheim wird zunächst für prospektive Studien zu Nierenschutz, Tumormonitoring und Bewegungsfreiheit genutzt. Foto: Siemens Healthcare
Der neue Computertomograph in Mannheim wird zunächst für prospektive Studien zu Nierenschutz, Tumormonitoring und Bewegungsfreiheit genutzt. Foto: Siemens Healthcare

Seit einigen Wochen wird an der Medizinischen Fakultät Mannheim ein Computertomograph (CT) der Firma Siemens Healthcare erstmals im Patientenbetrieb klinisch-wissenschaftlich erprobt. Mediziner des Instituts für Klinische Radiologie und Nuklearmedizin der Universitätsmedizin Mannheim und Physiker des Instituts für Computerunterstützte Klinische Medizin arbeiten gemeinsam mit Siemens daran, das Potenzial des „Somatom Force“ auszuschöpfen. Mitte November 2013 wurde das High-End-Gerät weltweit erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Anzeige

Der Dual-Source-CT ist mit je zwei Strahlungsröhren und Detektorsystemen ausgestattet und erzeugt seine Aufnahmen mit besonders hoher Geschwindigkeit. Im klinischen Einsatz erwies sich der CT-Scanner deutlich schneller und präziser in der Diagnostik als bisherige High-End-Systeme. Ein extrem schneller Scanmodus von knapp 400 Millimetern/Sekunde ermögliche es, in etwa einer Sekunde den Oberkörper eines Patienten zu erfassen und Tausende von diagnostischen Schnittbildern für die Diagnose zu liefern, berichtete Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Henzler vom Institut für Klinische Radiologie und Nuklearmedizin.

Zusätzlich zeichnet sich das System durch die Möglichkeit einer deutlichen Verringerung von Kontrastmittelgabe und durch eine ultraniedrige Röntgenstrahlendosis aus. Ursache hierfür sind die neu entwickelten Vectron-Röntgenröhren, die Untersuchungen bei besonders niedrigen Röhrenspannungen erlauben. Für die Patienten bedeutet das um bis zu 50 Prozent weniger Strahlendosis und Kontrastmittel als bei Untersuchungen im Vorgängersystem.

Im Einzelfall konnten die Dosiswerte sogar noch deutlich weiter gesenkt werden: So konnten Herz-CT-Untersuchungen durchgeführt werden, die die Strahlenbelastung auf knapp ein Zehntel der Dosis bisheriger Spitzengeräte senken. „Die Dosisreduktion ist schlicht atemberaubend“, erklärte Henzler. Davon können künftig vor allem Patienten mit einer Nierenfunktionsstörung profitieren, denen bislang eine Kontrastmittelgabe nicht zuzumuten war, ebenso Patienten, deren Krankheitsverlauf etwa im Rahmen der Krebsnachsorge eine häufigere CT-Diagnostik erfordert, oder auch pädiatrische Patienten.

Der neue CT ist ein Kernstück des Forschungscampus M2OLIE („Mannheim Molecular Intervention Environment“), ein auf 15 Jahre angelegtes Projekt, das die Medizinische Fakultät Mannheim im Herbst 2012 im Rahmen der Förderinitiative „Forschungscampus – öffentlich-private Partnerschaft für Innovationen“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung eingeworben hat. Ziel des Projekts ist die maßgeschneiderte Behandlung für Patienten mit oligometastasierten Tumorerkrankungen. In einem geschlossenen Interventionszyklus sollen einzelne Metastasen ausfindig gemacht, analysiert und minimal-invasiv therapiert werden. Für jeden Schritt soll der CT die diagnostischen Daten liefern, die nach dem Transfer auf ein robotergestütztes System zur minimalinvasiven Tumorbehandlung („Artis Zeego“ von Siemens) genutzt werden können.

Bei der funktionalen CT-Bildgebung, bei der neben der Morphologie auch die Funktion von Organen und Gefäßen dargestellt wird, konnte die Dosis im Vergleich zu bisherigen Spitzensystemen ebenfalls halbiert werden. Die 4-D-Darstellung liefert zusätzliche Informationen, etwa über die Durchblutung und damit die Vitalität von Primärtumoren und Metastasen. Die Mannheimer Wissenschaftler konnten zeigen, dass die Durchblutung eines Tumors frühzeitig anzeigt, ob dieser auf die Behandlung mit neuartigen zielgerichteten Therapeutika anspricht. Die mittels CT ermittelten „Perfusionsparameter“ stellen funktionelle Informationen bereit, die für eine Therapieüberwachung verwendet werden können. Eine häufig teure medikamentöse Therapie wird künftig nur dann weiterverfolgt, wenn sie dem Patienten auch tatsächlich nützt.

Heike E. Krüger-Brand

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema