ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2013Börsebius: Lug und Trug

GELDANLAGE

Börsebius: Lug und Trug

Dtsch Arztebl 2013; 110(50): A-2445 / B-2153 / C-2073

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Es gab eine Zeit, da kasperten einige wenige hochkarätige Bankmanager die Libor- und Euribor-Sätze listig untereinander aus. Das sind Referenzzinssätze, nach denen sich die Höhe von Geldkosten im Interbankenhandel richtet. Am Ende werden vom Libor und Euribor viele andere Kreditgeflechte und Wertpapiergeschäfte beeinflusst, also auch die der Wirtschaft und der privaten Kunden. Hier ein wenig geschraubt, dort ein wenig die Stellen hinterm Komma „beeinflusst“ und schon winken zusätzliche Gewinne in gewaltiger Höhe.

Am Ende ist der tückische Zinsschwindel dann doch aufgeflogen. Und wie. Anfang Dezember verhängte die EU-Kommission gegen acht Banken eine Rekordstrafe von insgesamt 1,7 Milliarden Euro. Der europäische Wettbewerbshüter Joaquin Almunia zeigte sich „erschüttert“ über die Zinsmanipulationen. Es sei geradezu „abstoßend“, wie die Finanzinstitute gegen Kartellrecht verstoßen und mit unlauteren Mitteln Geld verdient hätten.

Die Geldhäuser stehen nun also tüchtig am Pranger. Den Reigen der begossenen Pudel führt, wundert das noch jemanden, die Deutsche Bank („Vertrauen ist der Anfang von allem“) an, der alleine eine Buße von 725 Millionen Euro aufgebrummt wurde. Die Summe fiel nur deshalb nicht noch höher aus, weil sich die deutsche Nummer eins bei den Ermittlungen gegen sich und andere Häuser „kooperativ“ zeigte, was ja nur heißen kann, das ihnen am Ende das eigene Hemd näher war als der Rock der anderen. Gleichwohl muss die Deutsche Bank nun viel Geld aufwenden, um das angeschlagene Image aufzuhübschen. Ob das gelingt?

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Wie sehr eine Wir-sind-jetzt-die-Guten-Kampagne abstürzen kann, erlebt derzeit die Commerzbank. Erst hatte sie die Republik mit gut gemachten TV-Spots überrollt, nach denen die Bank jetzt aber wirklich nur noch das Interesse ihrer Kunden im Visier habe, da platzte diese üble Sache mit offenbar obskuren Versicherungsmänteln ins Kontor der Bank: Anfang Dezember durchsuchten 270(!) Beamte der Steuerfahndung Düsseldorf die Konzernzentrale der Commerzbank und 40 weitere Objekte des Institutes. Es geht um „Lebensversicherungsmäntel“, die nach Meinung der Staatsanwaltschaft verkappte Vermögensverwaltungsverträge sind. Die Durchsuchung richte sich aber nicht gegen die Commerzbank „direkt“, sondern gegen den italienischen Versicherungskonzern Generali. Ob das so einfach zu trennen ist? Immerhin haben möglicherweise auch Commerzbank-Berater ihren Kunden diese Form des Steuersparens auch „empfohlen“. Übrigens haben nach meinem Kenntnisstand auch andere Geldhäuser betuchten Kunden solche Versicherungsmäntel verkauft.

Fazit: Was erst mit List und Tücke ersonnen wurde, entpuppt sich am Ende doch nur als Lug und Trug. Am Kunden. Furchtbar.

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