ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2013Krankenhaus: Vergütung ist nicht zu hoch
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Der GKV-Spitzenverband hat 14 Positionen für die künftige Weiterentwicklung der krankenhausbezogenen Strukturpolitik vorgelegt. Zumindest in folgenden Punkten kann dies nicht unkommentiert bleiben:

„Überhöhte Preise“: Wie ein roter Faden zieht sich durch das Papier die Vorstellung, Leistungen in Krankenhäusern würden generell zu überhöhten Preisen vergütet. Dies sei vor allem bei der künftigen Gestaltung der Landesbasisfallwerte zu berücksichtigen. – Es ist unbestritten, dass manche Innovationen für eine gewisse Zeit Hochfrequenzanbietern einen positiven Deckungsbeitrag bescheren. Wollten die Verfasser das Thema jedoch tatsächlich ernsthaft bearbeiten, wären parallel diejenigen Positionen aufzuarbeiten, deren Erbringung Krankenhäusern bisher vergütungsfrei abverlangt wird. – Wer zudem auch künftig noch die „Entwicklung der Produktivität“ der Krankenhäuser (Position 6) für weitere Abschläge in Rechnung stellen will, argumentiert wider besseres Wissen. Weitere künftige „Produktivitätssteigerungen“ werden (punktuelle Ausnahmen mögen die Regel bestätigen) identisch sein mit weiterer Reduktion der Patientenzuwendung und der Qualität. Sollten die Verfasser das Ziel haben, diese Produktivitätssteigerung gezielt zu Preissenkungen nutzen zu wollen, dann würden sie damit in ungewohnter Klarheit Zynismus und Menschenverachtung zum Ausdruck bringen.

Anzeige

„Mengenentwicklung“: Wenn tatsächlich in nennenswertem Umfang nicht indizierte Leistungen in Kliniken erbracht werden, dann ist dem entgegenzutreten – ja. Jedoch: Die Möglichkeiten, nicht indizierte Mammaablationes, Anus praeter-Anlagen oder Chemotherapien vorzunehmen, sind begrenzt. Sollte Position 8 so gelesen werden wie geschrieben, dass nämlich die Vergütung jedweder Leistung abzusenken (und damit unter die Gestehungskosten abzusenken) sei, bis auch die letzte als überflüssig angesehene Leistung eliminiert ist, sollte also die Gesamtheit der Patienten für einzelne als überflüssig angesehene Leistungen in Kollektivhaft genommen werden, dann wäre auch das eine bemerkenswert klare Wiedergabe des Menschenbilds der Verfasser . . .

„Fehlerhafte Abrechnungen“: Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. – Jedoch bitte in einem fairen Verfahren, welches sich vom bisherigen dreifach unterscheiden würde: Es müssten bekannte und plausible Beurteilungskriterien zugrunde gelegt werden (bezogen auf die Frage der primären und sekundären Fehlbelegung aktuell nicht gegeben), der Zeitablauf müsste fair sein (und nicht als laufendes zinsloses Darlehen an die Krankenkassen missbraucht werden), und die Überprüfung müsste durch eine unabhängige Institution erfolgen (an die Mär von der Unabhängigkeit des MDK glaubt – bei allem Respekt – ja noch nicht einmal der, der Teil dieser Einrichtung war) . . .

Prof. Dr. med. Martin Hansis, LL.M., Ärztlicher Geschäftsführer, Städtisches Klinikum Karlsruhe gGmbH, 76133 Karlsruhe

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema