ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2013Arzt-Patient: Vergiftet
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. . . Es geht nicht darum, einer vernünftigen Ökonomie in der medizinischen Versorgung die Daseinsberechtigung zu nehmen, nein, sie soll schon die Existenz einer guten medizinischen Versorgung sichern. Verschwendung von Ressourcen können wir uns nicht leisten. Es geht aber darum, dass sich die Ökonomie bereits sehr weit in das ärztliche Denken und Handeln eingeschlichen hat und beginnt, ärztliche Erfahrung und Intuition durch Leitlinien und starre Algorithmen (die von unsicheren Jungärzten gern angenommen werden) zu ersetzen. Dies vergiftet mehr und mehr das Vertrauen, das die wichtigste Grundlage der Arzt-Patienten-Beziehung darstellt. Man kann sich ausmalen, dass dies erhebliche (objektiv unnötige) Mehrkosten im Gesundheitssystem verursacht, wahrscheinlich in der Größenordnung einer zweistelligen Milliardensumme (zum Beispiel mehr Zweitmeinungen, Nichtbefolgen von ärztlich verordneten Therapien, Missachtung von ärztlichem Rat, eine Fülle von forensisch motivierten Untersuchungen, häufigerer Arztwechsel, etc., . . .

Im Hessischen Ärzteblatt 8/2013, SS. 614–620, „Wieviel Ökonomie verträgt die Medizin? – Plädoyer für eine neue Aufwertung der medizinischen Logik“ beschreibt Herr Prof. Dr. med. Giovanni Maio aus Freiburg die Verdrängung der medizinischen Logik durch die ökonomische Logik eindrücklich . . .

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Ich zitiere: „Heute wird unter ökonomischen Druck der Aufwand an Gesprächszeit, an Begegnungszeit mit dem Patienten eingespart, und so spart die Medizin nicht das Überflüssige ein, sondern sie spart am Kern ihrer Identität ein, weil der Kontakt mit dem Patienten das ist, was der eigentliche Grund war,

Medizin als sozialen Beruf zu wählen.“ . . .

Dr. med. Harald Knigge, 60389 Frankfurt am Main

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