ArchivDeutsches Ärzteblatt20/1996Myokardinfarkt: Literaturangaben nachreichen

SPEKTRUM: Leserbriefe

Myokardinfarkt: Literaturangaben nachreichen

Bock, Friedrich

Zu der Mitteilung der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft in Heft 8/1996 "Keine kurzwirkenden Calcium-Antagonisten bei einem akuten Myokardinfarkt oder bei instabiler Angina pectoris"
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Wenn die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft sich zu einem Thema äußert, so hat dieses Votum sicherlich eine nicht unerhebliche, nicht zuletzt auch medico-legale Wirkung. Um so wichtiger wäre es, wenn die Entscheidungen und Empfehlungen dieses Gremiums ausführlich begründet und durch entsprechende Studien untermauert würden.
Die zitierte Literatur beschäftigt sich aber weder mit der Therapie des akuten Myokardinfarktes noch mit der Behandlung der instabilen Angina pectoris. So bleibt es das Geheimnis der Kommission, worauf sich deren Aussage stützt, Calciumantagonisten seien bei diesen Erkrankungen kontraindiziert.
In den meisten gängigen deutschsprachigen Lehrbü-chern der Inneren Medizin wird die Anwendung zum Beispiel von Nifedipin bei akutem Myokardinfarkt zwar nicht als Mittel der ersten Wahl, aber doch als gängige Therapiemethode erwähnt. So heißt es zum Beispiel im Lehrbuch von Classen et al.: "Ist der Patient weiterhin symptomatisch" (trotz Anwendung von Nitraten und Heparinisierung), "erfolgt die Gabe von Calciumantagonisten . . . " Auch im eigenen Patientengut (einer großen kardiochirurgischen Klinik) wenden wir routinemäßig Calciumantagonisten in der Behandlung von (perioperativen) Myokardischämien und -infarkten an.
Weder der Hinweis auf Lehrbuchautoren noch auf eigene gute Erfahrungen beweist natürlich die Wirksamkeit eines Medikaments. Es zeigt aber, daß die Arzneimittelkommission von einer bisher gängigen Praxis abweichende Empfehlungen macht, was meines Erachtens nur sinnvoll und legitim ist, wenn sie dies mit harten Daten aus entsprechenden Studien belegen könnte.
Sollte es solche Studien geben, fordere ich die Arzneimittelkommission auf, die entsprechenden Literaturangaben nachzureichen.
Friedrich Bock, Oppenheimer Landstraße 16, 60594 Frankfurt/Main

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote