ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2013Ärztliches Handeln: Pharmaunternehmen in Schutz genommen
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Circa 90 Prozent der Einnahmen im Gesundheitssystem sind solidarisch finanziert, und gerade nicht marktwirtschaftlich! In Verinnerlichung der von den Beitragszahlern diesen Geldern zugedachten Werte wird in der Stellungnahme ein moralisches Gebot zur Verwendung der Gelder postuliert. Erstaunlicherweise wird diese Bürde zur auch solidarisch verantworteten Verwendung der Gelder vor allem den Ärzten auferlegt! Diese werden ins Zentrum der Auslösung der Kosten gestellt, und ihnen wird neben der individuellen Handlungsethik auch die finanzielle Moral zugespielt. Gleiches wird zwar auch für die Krankenkassen und Klinikverwaltungen formuliert, aber in nachrangiger Gewichtung.

So weit, so gut, könnte man denken. Jeder soll so mitwirken, wie er kann. Aber – wo bleiben die rein massiv kapitalorientierten Aktivitäten der pharmazeutischen Unternehmen und der börsennotierten Klinikbetreiber? Im Text werden diese pauschal in Schutz genommen: „Auch Gewinnorientierung ist nicht von vorneherein unethisch.“ Kein Wort hier von der Herkunft der Gelder, vom vorher moralischen Ansinnen! Wie sind die Gewinnmaximierungsstrategien aus Solidargeldern zum Beispiel bei Avastin und Lucentis, bei Fusion von Helios und Rhön im Sinne der Beitragszahler zu bewerten? Wie kann es sein, dass an der Börse noch Renditen im zweistelligen Bereich zu erzielen sind, die aus Beiträgen erwirtschaftet werden und am Krankenbett von Arzt und Pflege, von Physiotherapie und Arzthelferin abgeschöpft werden? . . .

Dr. Albrecht Weber, 97074 Würzburg

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