ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2013Intensivmedizin: Sind Betablocker bei septischem Schock nützlich?

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Intensivmedizin: Sind Betablocker bei septischem Schock nützlich?

Dtsch Arztebl 2013; 110(51-52): A-2481 / B-2185 / C-2104

Heinzl, Susanne

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Eine stark erhöhte Aktivität des sympathischen Nervensystems soll an der Sterblichkeit von Patienten im septischen Schock beteiligt sein. Der orale Betablocker Metoprolol erwies sich bei Schockpatienten als gut verträglich. In einer randomisierten, offenen Phase-II-Studie wurde untersucht, wie sich die intravenöse Gabe des kurz wirksamen Betablockers Esmolol auf Herzfrequenz, Blutdruck und andere hämodynamische Parameter auswirkte.

Auf der Intensivstation einer Universitätsklinik in Rom erhielten 77 Patienten mit schwerem septischem Schock eine Esmolol-Infusion über 96 Stunden, mit der ihre Herzfrequenz im Bereich von 80 und 94 Schlägen/min gehalten wurde. 77 weitere Patienten erhielten die Standardbehandlung und dienten als Kontrollgruppe. Primärer Endpunkt war die Senkung der Herzfrequenz in den Bereich von 80 bis 84 Schlägen/min, was in der Esmolol-Gruppe bei allen 77 Patienten gelang, während die Patienten der Kontrollgruppe weiter tachykard blieben. Die Herzfrequenz sank durch die Betablocker-Behandlung im Mittel um 18 Schläge/min im Vergleich zur Kontrollgruppe (p < 0,001). Der mittlere arterielle Druck blieb erhalten, trotz eines deutlich geringeren Norepinephrin-Verbrauchs in der Esmolol-Gruppe im Vergleich zum Kontrollarm. Auch Sauerstoff- und Flüssigkeitsbedarf waren unter dem Betablocker im Vergleich zur Kontrollgruppe verbessert. Insgesamt führten die Effekte der Betablocker-Infusion zu einer Verbesserung der 28-Tage-Sterblichkeit: Sie sank von 80,5 % in der Kontrollgruppe auf 49,4 % (p < 0,001). Auch die Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation war bei Betablocker-Infusion im Median 5 Tage kürzer als ohne Betablocker (p < 0,03).

Fazit: In dieser offenen Phase-II-Studie senkte eine Esmolol-Infusion die Herzfrequenz bei Patienten mit schwerem septischem Schock in den vordefinierten Bereich ohne unerwünschte Effekte auszulösen. „Die Herzfrequenzlimitation beziehungsweise -normalisierung – nach einer initialen Stabilisierungsphase – bei schwer kranken und mit Noradrenalin hämodynamisch unterstützten septischen Patienten mittels intravenös appliziertem Esmolol erscheint als vielversprechender und logischer Ansatz“, kommentieren Priv.-Doz. Dr. med. Holger Herff und Prof. Dr. med. Bernd W. Böttiger von der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin des Universitätsklinikums Köln. Es gebe viele Hinweise eines negativen Einflusses adrenergen Stresses auf das Herz im septischen Schock. „Die Autoren der aktuellen Studie folgern sehr vorsichtig aus ihren Daten, dass eine Frequenzlimitation durch den Betablocker sicher war. Dieser vorbildlich vorsichtigen Einschätzung schließen wir uns an.“ Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Morelli A, et al.: Effect of heart rate control with esmolol on hemodynamic and clinical outcomes in patients with septic shock. A Randomized clinical trial. JAMA. 2013; 310: 1683–91. MEDLINE

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema