ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2013Schach: Auf weitere 100 Jahre

SCHLUSSPUNKT

Schach: Auf weitere 100 Jahre

Dtsch Arztebl 2013; 110(51-52): [52]

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Mitten in Bamberg an der Unteren Brücke steht das Hutgeschäft Holland, das seit Generationen vom Vater auf den Sohn vererbt wird. Doch werden dort nicht nur Hüte jeglicher Provenienz verkauft, im Rückraum wurden auch unzählige Schachpartien gespielt. Oft führte mich mein Weg nach der Schule dorthin, um mit Holland senior oder junior (dieser Junior ist inzwischen selbst schon 75) die Schule schnell vergessen zu machen, selbst die Weltmeister Bobby Fischer und Tigran Petrosjan rückten in diesem Hutladen besonderer Art die Klötze.

Daran musste ich denken, als mir beim Ärzteschachturnier Dr. med. Andreas Giffhorn vom 100-jährigen Bestehen seiner Kinder- und Jugendarztpraxis in Familientradition in Braunschweig erzählte. 1913 meldete der „Braunschweiger Allgemeiner Anzeiger“, dass sich Dr. med. Heinrich Giffhorn als Spezialarzt für Kinderkrankheiten niedergelassen habe. Sprechstunden fanden damals vormittags und nachmittags jeweils eine Stunde in seiner Wohnung statt, hauptsächlich machte er jedoch Hausbesuche mit dem Fahrrad. Und – ach wie schön zu wissen – schon in dieser guten, alten Zeit gab es Spannungen zwischen den praktischen Ärzten und Kinderärzten. So verlangten die praktischen Ärzte von den Spezialisten, dass sie entsprechend ihrer Qualifikation ein höheres Honorar zu nehmen hätten, damit nicht alle Eltern mit ihren Kindern zum Kinderarzt gehen. Tempora non mutantur!

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Für die Praxis folgten Erster Weltkrieg, Ende des Kaiserreichs, Währungsreform, Weimarer Republik, „Drittes Reich“, Zweiter Weltkrieg, Besatzungszeit, Zweite Währungsreform und die Gründung der Bundesrepublik. Und so weiter und so fort bis in unsere Tage, in denen zur großen Freude von Vater Andreas auch seine Tochter Verena nach Abschluss ihrer Facharztausbildung in die Praxis eingestiegen ist. Ein buntes, pralles (Praxis-) Leben – auf weitere 100 Jahre!

Aber jetzt genug der Kinder, nun kommt Schach!

Dr. Andreas Giffhorn spielt dies gerne am Abend mit dem Künstler Achim Kiel, der mir davon unter der Überschrift „Hofmaler versus Leibarzt“ berichtet hat. Natürlich mit dessen vom Vater geerbten, gedrechselten Figuren, soviel Tradition muss auch hier sein.

Kürzlich wurde eine Partie weit nach Mitternacht abgebrochen, weil Dr. Giffhorn am Morgen wieder fit in seiner Praxis antreten musste.

Achim schreibt: „Vielleicht weiß ja einer Deiner Leser, wie sie möglicherweise hätte ausgehen können, wenn wir beiden alten Säcke etwas mehr Kondition aufgebracht hätten?“

Weiß drohte matt auf g7, andererseits war Dr. Giffhorn als Schwarzer am Zug. Und jetzt sind Sie am Zug – wer gewinnt?

Lösung:

Nach 1. . . . Dxf2+ 2.Tg2 kann Schwarz den Turm mit 2. . . . Dxg2+! einfach schlagen, weil nach 3. Kxg2 dem Weißen der fesselnde Turm fehlt, so dass Schwarz sich nun mit 3. . . . gxh6 an der weißen Dame gütlich tun kann und mit seinem verbleibenden Turm klar auf Gewinn steht.

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