ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2013Metastasiertes Pankreaskarzinom: Überlebensvorteil durch Paclitaxel-Nanopartikel

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Metastasiertes Pankreaskarzinom: Überlebensvorteil durch Paclitaxel-Nanopartikel

Dtsch Arztebl 2013; 110(51-52): A-2481 / B-2185 / C-2104

Gulden, Josef

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Das fortgeschrittene Adenokarzinom des Pankreas ist eine der desolatesten Diagnosen in der Onkologie: Mit dem bisherigen Erstlinien-Standard Gemcitabin ist nach einem Jahr nur noch etwa jeder vierte Patient am Leben, nach fünf Jahren sind nahezu alle gestorben. Die FOLFIRINOX-Dreierkombination, die die mediane Überlebenszeit von 6,8 auf 11,1 Monate verlängern konnte, wird nur von einem kleinen Teil der Patienten in besonders gutem Allgemeinzustand toleriert. Nach langer Stagnation ist jetzt auch für die übrigen Patienten ein Fortschritt zu verzeichnen: Die Bindung an Albumin-Nanopartikel mittels nab-Technologie erlaubt es, wasserunlösliche Krebsmedikamente wie Paclitaxel gezielter als bisher in Tumoren anzureichern. Nab-Paclitaxel, zur Therapie des metastasierten Mammakarzinoms bereits zugelassen, wurde in der randomisierten Phase-III-Studie MPACT (Metastatic Pancreatic Adenocarcinoma Clinical Trial) bei 861 Patienten mit neu diagnostiziertem metastasiertem Adenokarzinom des Pankreas in Kombination mit Gemcitabin versus Gemcitabin alleine verglichen.

Primärer Endpunkt war die Gesamtüberlebenszeit, und hier zeigte sich die Kombinationstherapie überlegen mit median 8,5 gegenüber 6,7 Monaten (Hazard Ratio [HR] 0,72; p < 0,001). Nach einem Jahr lebten unter nab-Paclitaxel/Gemcitabin noch 35 % der Patienten, unter der Gemcitabin-Monotherapie lediglich 22 % (p < 0,001), nach zwei Jahren waren es 9 % vs. 4 % (p = 0,02). Auch bei den sekundären Endpunkten war die Kombinationstherapie signifikant überlegen: Das progressionsfreie Überleben hatte sich von 3,7 auf 5,5 Monate verlängert (HR 0,69; p < 0,001), die Ansprechrate von 7 % auf 23 % verdreifacht (RR 3,19; p < 0,001).

Die häufigsten Nebenwirkungen vom Grad 3 oder höher waren eine Neutropenie (38 % unter der Kombination, 27 % mit Gemcitabin alleine), Fatigue (17 % vs. 7 %) sowie eine periphere Neuropathie (17 % vs. 1 %). Die mediane Zeit bis zur Besserung der für Taxane typischen Neuropathie auf höchstens Grad 1 lag bei 29 Tagen. Schwere, lebensbedrohliche Nebenwirkungen waren in beiden Armen mit jeweils 4 % gleich häufig.

Gesamtüberleben (Kaplan-Meier-Kurven) von Patienten mit Pankreaskarzinom bei Therapie mit Gemcitabin plus nab-Paclitaxel versus Gemcitabin alleine
Gesamtüberleben (Kaplan-Meier-Kurven) von Patienten mit Pankreaskarzinom bei Therapie mit Gemcitabin plus nab-Paclitaxel versus Gemcitabin alleine
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Gesamtüberleben (Kaplan-Meier-Kurven) von Patienten mit Pankreaskarzinom bei Therapie mit Gemcitabin plus nab-Paclitaxel versus Gemcitabin alleine

Fazit: In einer Phase-III-Studie zum fortgeschrittenen Pankreaskarzinom hat sich die duale Therapie von Paclitaxel-Nanopartikeln plus Gemcitabin versus der Gemcitabin-Monotherapie als vorteilhaft für das Gesamt- und progressionsfreie Überleben erwiesen. Josef Gulden

Von Hoff DD, et al.: Increased survival in pancreatic cancer with nab-paclitaxel plus gemcitabine. NEJM 2013; 369: 1691–703. MEDLINE

Gesamtüberleben (Kaplan-Meier-Kurven) von Patienten mit Pankreaskarzinom bei Therapie mit Gemcitabin plus nab-Paclitaxel versus Gemcitabin alleine
Gesamtüberleben (Kaplan-Meier-Kurven) von Patienten mit Pankreaskarzinom bei Therapie mit Gemcitabin plus nab-Paclitaxel versus Gemcitabin alleine
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Gesamtüberleben (Kaplan-Meier-Kurven) von Patienten mit Pankreaskarzinom bei Therapie mit Gemcitabin plus nab-Paclitaxel versus Gemcitabin alleine

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