ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2013Philosophie: Über die Vielfalt menschlicher Würde

KULTUR

Philosophie: Über die Vielfalt menschlicher Würde

Dtsch Arztebl 2013; 110(51-52): A-2494 / C-2116

Krannich, Hans-Walter

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Der Prolog zu diesem Buch stammt aus Pedro Vasco de Almeida Prados Werk (Lissabon 1901) „Über das, was wichtig ist“: „Würde ist nicht eine einzige Sache, sondern viele. Es kommt darauf an zu verstehen, wie diese vielen Sachen im Leben eines Menschen zusammenhängen. Wenn einer zu sagen versucht, was er da zu verstehen glaubt, so wird er, ohne es beabsichtigt zu haben, zu einem, der eine weitläufige Landkarte der menschlichen Existenz zeichnet.“ Peter Bieri sei Dank, sich der Herausforderung gestellt zu haben, dieses Thema in möglichst vielen Facetten zu beleuchten. Er steckt dabei auf seiner weitläufigen „Landkarte“ erfolgreich und kurzweilig zu entdeckende „Landmarken“ anhand folgender drei Dimensionen ab:

  • Wie ich von anderen Menschen behandelt werde
  • Wie ich zu ihnen stehe: was für eine Einstellung ich zu ihnen habe
  • Wie ich zu mir selbst stehe.

Für Bieri „ist die Würde des Menschen eine bestimmte Art und Weise, ein menschliches Leben zu leben. Sie ist ein Muster des Denkens, Erlebens und Tuns. Diese Würde zu verstehen, heißt, sich diese Muster begrifflich zu vergegenwärtigen und es gedanklich nachzuzeichnen.“ Diesem Kompass folgen die Kapitel des Buches. Vor allem das letzte Kapitel erörtert den wohl gewichtigsten Aspekt, Menschenwürde und Menschenleben.

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Das Buch ist vor allem, berufsbedingt, für Ärzte von besonderer, zunehmender Relevanz. Die anfänglich skizzenhaften Bilder sowie die imaginär geführten Gespräche verdichten sich sukzessive und führen schließlich von einer mehr oder weniger bekannten Terra incognita zu einer solchen, die vor allem Ärzten mehr oder weniger vertraut ist, sein müsste. Gleichwohl enden einzelne Kapitel mit Fragezeichen − mit der Herausforderung, sich diesen zu stellen. Denn Sinn in unserem Leben können wir nur selbst „er-finden“, niemals werden wir ihn einfach „vor-finden“.

Wer sich mit diesem brillant geschriebenen, sehr empfehlenswerten Werk auseinandersetzt, kann vieles lernen, „nachschlagen“, Revue passieren lassen, (geistiges) Kapital hieraus schlagen. Auch zur Gestaltung seines (Arbeits-)Lebens: (s)einer Art zu leben und diese zu reflektieren. Es sollte zur Pflichtlektüre aller, vor allem derjenigen in verantwortlichen Positionen Tätigen, gehören – gerade in Zeiten der Abschaffung der Würde.

Nebenbei: Der Philosoph Peter Bieri hat unter dem Pseudonym Pascal Mercier (Nachtzug nach Lissabon) auch als Romancier beachtliche Erfolge erzielt. Hans-Walter Krannich

Peter Bieri: Eine Art zu leben. Über die Vielfalt menschlicher Würde. Hanser, München 2013, 384 Seiten, gebunden, 24,90 Euro

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